Der Gitarrist Detlev Cremer und der Keyboarder Jochen Rausch sind LEBENdIGITAL. Die beiden Musiker brachten 1982, damals noch unter dem Namen "Stahlnetz", ihr erstes gemeinsames Album heraus. Mit ihren vielgerĂĽhmten "Fausertracks" machten sie 2005 erstmals von sich reden: O-Ton-Lesungen von Jörg Fauser arrangierten sie mit elektronischer Musik und nahmen so Fausers Herausforderung "Wer liest schon Gedichte?" an.Â
Fauserähnlichen Kultstatus, bisher vor allem als Musiker, kann Udo Lindenberg für sich geltend machen: sein letztes Studioalbum hat bereits Platin-Status erreicht. Zum "Club der Lindianer" zählen Jan Delay und Benjamin von Stuckrad-Barre ebenso wie zahlreiche Feuilletonisten.
Mit den "lindenbergtracks" legen Udo Lindenberg und LEBENdIGITAL etwas vollkommen Neues vor: elektronischer Sound unterstreicht die Poetik der Lindenberg´schen Bildsprache, Udo Lindenberg bleibt himself, staubtrocken, keine "musikalische Zuckrigkeit" bricht die Kraft der Sprache.Â
Im Gespräch erzählen Cremer und Jochen Rausch von Udo Lindenberg und ihrem gemeinsamen Projekt der "lindenbergtracks".
Wie kam es zu der Idee der "lindenbergtracks"?
Detlev Cremer: Wir haben 2005 die Fausertracks gemacht. Dafür vertonten wir Originalton-Gedichte des Schriftstellers Jörg Fauser mit unserer Musik. Das war eine sehr inspirierende Arbeit, aus gesprochenem Wort etwas Neues entstehen zu lassen, eben gesprochene Songs oder besser „spoken songs“, wie wir das nennen.
Aber Jörg Fauser war ein Literat, kein Musiker wie Udo Lindenberg.
Jochen Rausch: Ja, aber wenn man Udo Lindenbergs Texte liest, dann versteht man, dass da viel mehr ist als ein paar Worte für eine Gesangsmelodie. Für mich ist Udo Lindenberg einer der wichtigsten zeitgenössischen Poeten in Deutschland. Er hat sehr persönliche Lieder geschrieben, in denen sich viele Menschen wieder fanden – zum Beispiel „Horizont“ oder „Bis ans Ende der Welt“. Und da waren natürlich auch die gesellschaftspolitischen Themen, beispielsweise seine Songs zur deutsch-deutschen Geschichte. „Sonderzug nach Pankow“ etwa. Das Lied hat sicher mehr bewegt als so manche Rede im Bundestag zum selben Thema.
Zu all diesen Texten gehören aber auch starke Melodien. Kann man darauf verzichten?
DC: Es geht uns nicht darum, das vorhandene Lied in irgendeiner Weise zu verbessern oder zu verändern. Wir machen ja keine Remixe, sondern etwas völlig Neues. Wir rücken den Text und Udos Sprechstimme viel weiter in den Vordergrund, als dies bei einem Song der Fall sein kann.
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