Rund um die Welt
»Der Hass der Liebenden« von Silvia Ocampo und Adolfo Bioy Casares
Könnt ihr ihn riechen? Den Frühling? Die Sonne scheint endlich wieder und man bekommt Lust auf Urlaub. Unser heutiges Freitagsspecial-Land Argentinien soll euch zumindest geistig einen kleinen Urlaub verschaffen. Dabei beginnt dieser alles andere als schön...
Kann man einen Menschen lieben, den man für einen Mörder hält? Diese Frage stellen sich heutel bei »Rund um die Welt« die beiden argentinischen Autoren Adolfo Bioy Casares und Silvina Ocampo in ihrem Roman »Der Hass der Liebenden«. Diese zwei herausragenden Gestalten der argentinischen Literatur, erzählen in ihrem packenden Kriminalroman von der Diskrepanz zwischen Schein und Sein und der zersetzenden Macht des Zweifels.
In einem abgelegenen Hotel an der argentinischen Atlantikküste versammelt sich eine illustre Gesellschaft, darunter ein drogensüchtiger Arzt, die zwei Schwestern Emilia und Mary, die den gleichen Mann lieben, und ein rätselhafter kleiner Junge, der Vögel ausstopft. Als Mary ermordet wird und kurz darauf ein Sandsturm losbricht, der das Hotel von der Außenwelt abschneidet, breitet sich eine drückende Atmosphäre des Misstrauens und der vagen Bedrohung aus. Wird zunächst noch die eigene Schwester verdächtigt, die Tote vergiftet zu haben, da Mary und Emilia sich gestritten haben und Mary auch noch den Verlobten Atwell ihrer Schwester geküsst hatte, wirken nach und nach alle weiteren Hotelgäste ebenfalls verdächtig. Grund dafür ist der zukünftige Bräutigam, der verhindern möchte dass seiner Braut etwas geschieht und deshalb falsche Spuren auslegt. Als dann aber Atwell des Mordes an Mary beschuldigt wird, versucht sich Emilia das Leben zu nehmen, wodurch sie noch mehr in den Fokus der Ermittlungen rückt. In der dämmrigen, stickigen Enge sind Phantasie und Wirklichkeit kaum noch voneinander zu unterscheiden. Die gegenseitigen Verdächtigungen gipfeln in einer blinden Verfolgungsjagd durch die windgepeitschten Dünen. Der ominöse Kriminalfall aber klärt sich schließlich auf ganz unerwartete Weise und mit Hilfe eines Briefes auf.
Silvina Ocampo (1903–1993) wurde in Buenos Aires geboren und wuchs in großbürgerlichen, wohlhabenden Verhältnissen auf. In Paris studierte sie bei Fernand Léger und Giorgio de Chirico und war zunächst Malerin, ehe sie begann, Erzählungen und Lyrik zu veröffentlichen. Sie gehörte zu den Mitarbeitern der von ihrer älteren Schwester Victoria gegründeten Zeitschrift „Sur“ und erhielt für ihr Werk zahlreiche Preise, u.a. den Premio Nacional.
1940 heiratete sie den elf Jahre jüngeren Adolfo Bioy Casares. Während ihrer dreiundfünfzig Jahre währenden Ehe avancierten die beiden zu zwei der bedeutendsten Figuren der argentinischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Beide verband eine enge und literarisch fruchtbare Freundschaft mit Jorge Luis Borges. »Der Hass der Liebenden« (1946) ist ihr einziges gemeinsames Werk.
Adolfo Bioy Casares (1914–1999) wuchs in Buenos Aires in großbürgerlichen, wohlhabenden Verhältnissen auf. Bereits im Alter von fünfzehn Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch und avancierte zu einem der großen Vertreter der phantastischen Literatur. Sein mehrfach preisgekröntes Werk umfasst Romane, Erzählungen und Filmdrehbücher, sein Roman "Morels Erfindung" (1940) machte ihn weltberühmt. Mit Jorge Luis Borges verband ihn eine lebenslange Freundschaft; gemeinsam mit ihm verfasste er auch mehrere Kriminalromane.
Adolfo Bioy Casares war dreiundfünfzig Jahre lang mit Silvina Ocampo verheiratet. «Der Hass der Liebenden» (1946) ist ihr einziges gemeinsames Werk.
Das Land Argentinien ist die Heimat des Tangos, der Primera Dama Evita Perón, der Gauchos, der Iguazú-Fälle und des Zuges zu den Wolken. Es ist ein Land voll von Kultur – unter anderem auch ein Land der Literatur. Ganz bekannte literarische Größen sind Jorge Luis Borges (1899 bis 1986) und Julio Cortázar (1914 bis 1984), die Urväter der argentinischen Literatur. José Hernández (1834 bis 1886) ist für seinen Gaucho-Epos „MartÃn Fierro“ bekannt. Jüngere Autoren, die ihr Land 2010 auf der Frankfurter Buchmesse vertreten haben, sind unter anderem Alan Pauls, Samanta Schweblin, MartÃn Kohan und MartÃn Caparrós.
Bisher im Freitagsspecial »Rund um die Welt« erschienen:
- »Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand« von Jonas Jonasson
- »In 80 Tagen um die Welt« von Jules Verne
- »Bummel durch Europa« von Mark Twain
- »Das Universum der Familie Ahuja« von Karan Mahajan
- »Suite française« von Irène Némirovsky
- »Der Betrüger« von Damon Galgut
- »Liebe und Sinnlichkeit - Eine japanische Kulturgeschichte der Liebe« von Jun'ichiro Tanizaki
- »Weiß wie Milch, rot wie Blut« von Alessandro D'Avenia
- »Rasmussens letzte Reise« von Carsten Jensen

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