transatlantik | literatur on air Bcher und Hrbcher, die Wellen schlagen

Teil 6: Hanns-Josef Ortheil: Wie sein Roman "Die Nacht des Don Juan" entstand

11. Februar 2008 | Geschrieben von Maria Hinz

Josepha DuschekDer letzte Teil der Ortheil-Serie beschäftigte sich mit dem Langweil-Modell der Stadt Prag. In der heutigen Folge geht es auch um Langeweile. Genauer: um die elend zähflüssige Monotonie, die den Museumswärter dazu verleitet, auf dem Klappstuhl einzuschlafen. So schlummert er dann, umgeben von Pretiosen und schummerigen Artefakten, vor sich hin, beflügelt höchstens von der Vorstellung, irgendwann mal einem berühmten Porträt einen Schnurrbart zu verpassen oder ein Kunstwerk zu zertrümmern (immerhin 21 Prozent der britischen Museumswärter bekannten sich in einer Studie zu derartigen Rachephantasien am unbelebten Objekt).


Vor diesem Hintergrund kann die Bedeutung des Besuchers gar nicht unterschätzt werden. Er tritt – insbesondere in kleinen Museen – überwiegend im Singular auf, und weckt mit seiner Anwesenheit die Urinstinkte des Aufsehers: Nun muss Kunst bewahrt werden, vor dem Besucher und seinem zwanghaften Drang, alles anzufassen. Es ist daher nicht leicht, einen Wärter abzuschütteln, der einem beharrlich im Nacken sitzt. Hanns-Josef Ortheil ist es im Haus Bertramka gelungen. Was dann geschah und warum diese Episode für das Entstehen des Romans "Die Nacht des Don Juan" von großer Bedeutung war, erfahren Sie in seinem Gespräch mit Klaus Siblewski. Und Sie werden von Josepha Duschek hören, einer berühmten Prager Sängerin, die ihren Freund W.A. Mozart einlud, den „Don Giovanni“ in ihrem Landhaus fertig zu komponieren. Sie ahnen es bereits – es war das heutige Museum Haus Bertramka.


Achter Teil des Interviews mit Hanns-Josef Ortheil
 
 

Teil 5: Hanns-Josef Ortheil: Wie sein Roman "Die Nacht des Don Juan" entstand

11. Oktober 2007 | Geschrieben von Maria Hinz

Hört man vom „Langweil-Modell der Stadt Prag“, wird man ein Gähnen kaum unterdrücken können. Allerdings stellt besagtes Modell weder die uninspirierendsten Gässchen, noch die trostlosesten Parkanlagen der Moldau-Metropole vor – es handelt sich vielmehr um ein beeindruckendes 3D-Modell der Prager Altstadt von 20 m2 Größe, geschaffen von einem gewissen Herrn Antonín Langweil in den Jahren 1826-1837. Heute füllt seine filigrane Bastelarbeit einen ganzen Raum im Prager Stadtmuseum und verschafft dem Interessierten einen einzigartigen Panoramablick auf das historische Prag.

» weiterlesen

 
 

Teil 4: Hanns-Josef Ortheil: Wie sein Roman "Die Nacht des Don Juan" entstand

23. August 2007 | Geschrieben von Maria Hinz

Am Anfang war der Raum – und das ist nicht nur auf die literarische Entwicklung von Hanns-Josef Ortheils Roman bezogen, sondern auch auf seine Biographie: Über den Vater, einen Landvermesser, wurde dem Autor das Raumdenken schon früh 'anerzogen'. Was nicht bedeutet, dass Ortheil nun Wert auf Weitläufigkeit legen würde: Große Räume belebt der Schreibende mithilfe seiner Imagination. Das reale Raumbedürfnis eines Schriftstellers beschränkt sich, wie er selbst sagt, auf einen Schreibtisch. Ganz im Gegensatz zu anderen Künstlern, die Platz für ihre kreative Arbeit benötigen. Da zieht es natürlich gewisse Komplikationen nach sich, wenn man als Literaturstipendiat ein 200qm großes Atelier zur Verfügung gestellt bekommt ...


Neben dieser amüsanten Anekdote gibt Ortheil dem Hörer diesmal aber auch einen kleinen Selbsttest zur eigenen Raumeroberung mit auf den Weg - und lässt den hyperaktiven Mozart und die in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkte Constanze über ihr Raumnutzungsverhalten lebendig werden.


Vierter Teil des Interviews mit Hanns-Josef Ortheil

 
 

Teil 3: Hanns-Josef Ortheil: Wie sein Roman "Die Nacht des Don Juan" entstand

13. August 2007 | Geschrieben von Maria Hinz

Nach längerer Unterbrechung folgen heute gleich zwei Passagen aus dem Gespräch des Autors mit seinem Lektor. Hanns-Josef Ortheil erzählt darin, warum er sich für die Entstehung der Oper „Don Giovanni“ zu interessieren begann, was ihn an kreativen Prozessen so fasziniert und warum er seine Romane vom Raum aus denkt, bevor er sich Gedanken über die Figuren macht.


Zunächst war es ein rein „touristisches“ Interesse, das Hanns-Josef Ortheil zur Recherche nach Prag führte: In der Zeitung hatte er gelesen, dass das Theater, an dem Mozarts "Don Giovanni" seine Uraufführung erlebt hatte, restauriert worden war. Eine Randnotiz weckte dabei seine Aufmerksamkeit: Mozart war mit der Aufführung der Oper betraut worden, bevor er sie überhaupt vollendet hatte – und so kam es, dass er das Werk gleichzeitig einstudierte und schrieb.


Hanns-Josef Ortheil schildert seine Faszination für solche „brennenden Momente der Kreativität“, wenn der Künstler zwischen Angst und Verheißung schwankt - zwischen der Furcht, das Werk nicht vollenden zu können und der Verheißung der Fertigstellung, der Aufführung. Der Blick aus dem Fenster seines Hotels dürfte in Mozart diesen „brennenden Moment“ ausgelöst haben: Er blickte von dort direkt auf das Theater, den Ort, der über Triumph oder Misserfolg entscheiden würde. Über „phantasierende Vorstellungen des Raumes“, dieses Hotelzimmers, beginnt der Autor sich dann auch für die handelnden Personen zu interessieren.


Und so erfahren wir in diesem Interviewteil, dass es gar nicht die Oper selbst ist, der „Die Nacht des Don Juan“ ihre Entstehung verdankt. Der „Don Giovanni“ sei, so Ortheil, sowieso alles andere als ein Meisterwerk. Ihm geht es vielmehr um das Beobachten des künstlerischen Prozesses – bei einer gewissen Grundsympathie gegenüber seinen Figuren und ihrer Zeit.

Zweiter Teil des Interviews mit Hanns-Josef Ortheil
Dritter Teil des Interviews mit Hanns-Josef Ortheil
 
 

Teil 2: Hanns-Josef Ortheil: Wie sein Roman "Die Nacht des Don Juan" entstand

17. Juli 2007 | Geschrieben von Maria Hinz

Der erste Teil des Gesprächs zwischen Hanns-Josef Ortheil und seinem Lektor Klaus Siblewski (siehe auch Blogeintrag vom 26. Juni).


Auf die Frage, was der Auslöser für "Die Nacht des Don Juan" war - ein Einfall, eine Szene oder gar ein Wort? -, gibt Ortheil hier noch keine direkte Antwort. Wir erfahren aber, warum er, der sich bisher nie für geschichtliche Stoffe interessierte, nun einen historischen Roman verfasst hat.


Im ersten Teil des Interviews erzählt der Autor unter anderem von seiner Begeisterung für die jungen Literaten des späten 18. Jahrhunderts. Ihr Freiheitsdrang, das Abschütteln von Konventionen, die enthustiastische Aufbruchsstimmung haben ihn schon als Schüler fasziniert - und er hat die Literatur des späten 18. Jahrhunderts stets "als Gegenwart gelesen". Insofern ist es vielleicht gar nicht so widersprüchlich, dass Ortheil, der bisher mit seinen Romanen immer "auf die Gegenwart reagieren" wollte, nun die Entstehung von Mozarts Oper "Don Giovanni" belletristisch verarbeitet hat.


Erster Teil des Interviews mit Hanns-Josef Ortheil

 
 

Hanns-Josef Ortheil: Wie sein Roman "Die Nacht des Don Juan" entstand

26. Juni 2007 | Geschrieben von Klaus Siblewski

1998 war Hanns-Josef Ortheil Poetik-Dozent an der Universität Heidelberg. Im Sommersemester 2004 wurde er ein zweites Mal an die Universität eingeladen, um Auskunft über die Arbeit an seinem Roman "Die Nacht des Don Juan" zu geben. Dieses Gespräch, das ich mit ihm geführt habe, wurde aufgezeichnet.


Zum ersten Mal war ein Autor bereit, nicht nur Einblick in seine Schreibwerkstatt zu gewähren, sondern detailliert auch über das Schreiben eines Romans und die verschiedenen Phasen, die ein Autor dabei durchläuft, zu sprechen. Bisher haben Autoren über diesen, der Öffentlichkeit entzogenen Teil ihrer Arbeit keine weitere Auskunft gegeben. Hanns-Josef Ortheil aber, der an der Universität Hildesheim selber "Kreatives Schreiben" unterrichtet, hat dieses Schweigen durchbrochen und die Stationen exakt und mit großer Offenheit beschreiben, die er bei der Arbeit an einem Roman durchläuft.


Die Gespräche wurden vom Publikum und der Presse mit großer Begeisterung aufgenommen. Teile daraus werden in diesem Blog veröffentlicht. Sie bilden zugleich auch eine Grundlage des Buches mit dem Titel "Wie Romane entstehen", an dem Hanns-Josef Ortheil und ich arbeiten, und das im November in der Sammlung Luchterhand erscheinen wird. Wichtige Passagen aus diesen Gesprächen werden ab heute fortlaufend veröffentlicht.


Einführung des Lektors