Teil 6: Hanns-Josef Ortheil: Wie sein Roman "Die Nacht des Don Juan" entstand
Der letzte Teil der Ortheil-Serie beschäftigte sich mit dem Langweil-Modell der Stadt Prag. In der heutigen Folge geht es auch um Langeweile. Genauer: um die elend zähflüssige Monotonie, die den Museumswärter dazu verleitet, auf dem Klappstuhl einzuschlafen. So schlummert er dann, umgeben von Pretiosen und schummerigen Artefakten, vor sich hin, beflügelt höchstens von der Vorstellung, irgendwann mal einem berühmten Porträt einen Schnurrbart zu verpassen oder ein Kunstwerk zu zertrümmern (immerhin 21 Prozent der britischen Museumswärter bekannten sich in einer Studie zu derartigen Rachephantasien am unbelebten Objekt).
Vor diesem Hintergrund kann die Bedeutung des Besuchers gar nicht unterschätzt werden. Er tritt – insbesondere in kleinen Museen – überwiegend im Singular auf, und weckt mit seiner Anwesenheit die Urinstinkte des Aufsehers: Nun muss Kunst bewahrt werden, vor dem Besucher und seinem zwanghaften Drang, alles anzufassen. Es ist daher nicht leicht, einen Wärter abzuschütteln, der einem beharrlich im Nacken sitzt. Hanns-Josef Ortheil ist es im Haus Bertramka gelungen. Was dann geschah und warum diese Episode für das Entstehen des Romans "Die Nacht des Don Juan" von großer Bedeutung war, erfahren Sie in seinem Gespräch mit Klaus Siblewski. Und Sie werden von Josepha Duschek hören, einer berühmten Prager Sängerin, die ihren Freund W.A. Mozart einlud, den „Don Giovanni“ in ihrem Landhaus fertig zu komponieren. Sie ahnen es bereits – es war das heutige Museum Haus Bertramka.
Achter Teil des Interviews mit Hanns-Josef Ortheil

Am Anfang war der Raum – und das ist nicht nur auf die literarische Entwicklung von Hanns-Josef Ortheils Roman bezogen, sondern auch auf seine Biographie: Über den Vater, einen Landvermesser, wurde dem Autor das Raumdenken schon früh 'anerzogen'. Was nicht bedeutet, dass Ortheil nun Wert auf Weitläufigkeit legen würde: Große Räume belebt der Schreibende mithilfe seiner Imagination. Das reale Raumbedürfnis eines Schriftstellers beschränkt sich, wie er selbst sagt, auf einen Schreibtisch. Ganz im Gegensatz zu anderen Künstlern, die Platz für ihre kreative Arbeit benötigen. Da zieht es natürlich gewisse Komplikationen nach sich, wenn man als Literaturstipendiat ein 200qm großes Atelier zur Verfügung gestellt bekommt ...
Der erste Teil des Gesprächs zwischen Hanns-Josef Ortheil und seinem Lektor Klaus Siblewski (siehe auch 
