transatlantik | literatur on air Bücher und Hörbücher, die Wellen schlagen

Asterix und Stanisic in preiswürdiger Übersetzung

1. Juli 2009 | Geschrieben von Martin Mittelmeier

In den letzten Jahren hat sich die Situation ein wenig gebessert, aber dennoch ist es immer wieder ein erstaunliches Erlebnis, wenn ein deutschsprachiger Autor ins Englische übersetzt wird. Sasa Stanisic hattte das Glück, dass sich eine hoch renommierten Übersetzerin seines Erstlings "Wie der Soldat das Grammofon repariert" angenommen hat: Anthea Bell, eine wichtige Vermittlerin der Kulturen - zu den von ihr übersetzten Autoren aus dem weltliterarischen Kanon zählt auch Goscinny. Für die Übersetzung des "Soldaten" hat sie nun den Oxford-Weidenfeld Translation Prize erhalten, wir gratulieren.


 
 

Soldatische Geschlechterverwirrung

15. Mai 2008 | Geschrieben von Martin Mittelmeier

Das soll Aleksander sein?


Eineinhalb Jahre nach dem Erscheinen von Saša Stanišićs "Wie der Soldat das Grammofon repariert" darf auch mal den Tiefenschichten des Romans nachgefragt werden. Der Autor selbst hat - z.B. mit der Frage nach Francescos sexueller Orientierung - erste Hinweise gegeben. Die Grazer Uraufführung der Theaterfassung hat nun weitere verborgene Konstellationen ans Licht gebracht: Jawoll, es geht um die Geschlechterverhältnisse!
Schon mit der Besetzung der bellenden Mutter (der wunderbare Sebastian Reiß) als Aleksander legt das Theater einiges an gender trouble vor (für den nicht uninteressanten Seitenaspekt des animal porn hat der Autor an anderer Stelle wertvolle Hinweise gegeben). Subtiler Höhepunkt der Verwirrung aber ist der Schminkplan (Dank an Benjamin Lauterbach für die Entdeckung), der mühelos jahrhundertelang verfestigte phallogozentristische Gewissheiten wegfegt. Dass nun plötzlich nach der so einleuchtenden Verknüpfung von Frau und Natur alle Männer "Natur pur" sein sollen: ein (gerade für eher traditionelle Gegenden wie Visegrad) starkes Stück!
 
 

„GO WEST!“ – Uraufführung des ersten Theaterstückes von Saša Stanišić in Graz

9. März 2008 | Geschrieben von Martin Mittelmeier


Unter der Leitung von Tom Kühnel und Suse Wächter hatte am Freitag im Schauspielhaus Graz Saša Stanišićs musikalisches Projekt „Go West. Eine Familie wandert aus“ seine Uraufführung: In den 1950er Jahren versucht eine singende österreichische Familie ihr Glück im großen Amerika. Und muss schmerzhaft feststellen, dass man dort auf die Gesänge aus der Heimat nicht unbedingt gewartet hat. Als das Scheitern und die Verzweiflung am größten sind, gibt ihnen ausgerechnet Candy Warhola noch eine Chance – Candy Warhola, die Grande Dame des amerikanischen Unterhaltungsalptraums, an derem unhintergehbarem Kunstverstand und haltlos brutalem Urteil die meisten Karrieren scheitern, bevor sie überhaupt erst angefangen haben.

In einer Umbaupause durften wir mit der atemraubenden Candy sprechen. Erlaubt war zwar leider nur eine (vorgeschriebene) Frage („Was sollen wir tun?“), aber das Gewicht der Antwort macht das locker wett.



Sensationelle Exklusivbilder von der Premierenfeier auf der nächsten Seite.

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Von der Liebe zu Gartenstühlen und anderen magischen Dingen

18. Februar 2008 | Geschrieben von Ines Wallraff

„Ich mag müde Menschen – die erzählen immer die besten Geschichten“ - Sasa Stanisic, hellwach und bestechend charmant, im Gespräch mit Bernadette Joos: Über seine Bodenhaftung trotz Nominierung zum Deutschen Buchpreis, literarische Vorlieben, den Zugewinn von Heimat durch Sprache und Sprachverluste. Über Lesungen und das Lesen für Hörbücher. Über das Schreiben von „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ und darüber, was dem Roman folgte - Hörspiel, Hörbuch, Theaterstück, (Stand heute) 25 Auslandslizenzen und die Verhandlungen um die Filmrechte.


Sasa Stanisic über Pflaumen, Hackfleisch, Fußball, Traumberufe, sprechende Flüsse, das Angeln und Anglerforen und die Möglichkeit, dass auch über den Schwarzwald magische Romane geschrieben werden können. Außerdem der Hinweis auf seine Spuren im Internet sowie anstehende Reisen zum nächsten (Roman-)Stoff.

 
 

Eine badende Nonne in Tel Aviv und andere Irrtümer

19. Juni 2007 | Geschrieben von Maria Hinz

Irgendwo in einer europäischen Innenstadt. Auftritt: Der Autor, den Laptop „wie eine Wünschelrute schwenkend“, auf der Suche nach dem nächsten WLAN-Netz. Vom 18. Juni an wird er ein Jahr lang auf www.netznotizen.de regelmäßig seine Eindrücke und Beobachtungen festhalten, nahe am Zeitgeschehen, persönlich und so unmittelbar wie es die WLAN-Dichte vor Ort nun mal zulässt.


Beim Schreiben sollen wir ihm über die Schulter schauen dürfen, er droht mit Gedichten von einer sehr miesen Qualität - Saša Stanišić, Autor von „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ (Luchterhand), ist auf seiner Webseite Künstlicht gelegentlich schon als Blogger in Erscheinung getreten. In den Netznotizen, das kündigt er an, wird er ab sofort so authentisch sein, dass nichts mehr authentisch ist, radikal ehrliche Irrtümer (fettgedruckt!) eingeschlossen, ebenso: simulierter Orangensaft und betrunkene Liebesschwüre und, melancholischer Blickfang, die Nonne am Strand von Tel Aviv, die mit geschürzter Kutte in den Wellen steht.


Saša Stanišićs Texte irgendwo zwischen Tagebuch, Kolumne und Essay können bequem als RSS-Feed abonniert werden. Vor ihm haben bereits Thomas Meinecke und Michael Kumpfmüller für das Projekt „Netznotizen eines Zeitgenossen“ geschrieben, das 2005 von den niedersächsischen Literaturbüros ins Leben gerufen wurde.

 
 

Junge Magazine: Literatur entdecken

11. Juni 2007 | Geschrieben von Judith Lövenich

Auf der Suche nach neuen Autoren können dem findigen Lektor junge Literaturzeitschriften inspirierende Fundgruben sein. Über Veröffentlichungen in der Bremer „Krachkultur“ etwa drangen Sasa Stanisics Zeilen in die Köpfe seiner Leser, lange bevor sie es mit dem Debütroman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schafften. In Köln haben sich jetzt einige dieser Zeitschriften zum ersten Mal zu einer "Messe der jungen Magazine" getroffen.


Jan Valk, Organisator dieser Messe und Mitherausgeber der Zeitschrift "sprachgebunden", erzählt im Interview, worum es den Magazinen bei diesem Treffen ging.

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