Irgendwo in einer europäischen Innenstadt. Auftritt: Der Autor, den Laptop „wie eine Wünschelrute schwenkend“, auf der Suche nach dem nächsten WLAN-Netz. Vom 18. Juni an wird er ein Jahr lang auf www.netznotizen.de regelmäßig seine Eindrücke und Beobachtungen festhalten, nahe am Zeitgeschehen, persönlich und so unmittelbar wie es die WLAN-Dichte vor Ort nun mal zulässt.
Beim Schreiben sollen wir ihm über die Schulter schauen dürfen, er droht mit Gedichten von einer sehr miesen Qualität - Saša Stanišić, Autor von „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ (Luchterhand), ist auf seiner Webseite Künstlicht gelegentlich schon als Blogger in Erscheinung getreten. In den Netznotizen, das kündigt er an, wird er ab sofort so authentisch sein, dass nichts mehr authentisch ist, radikal ehrliche Irrtümer (fettgedruckt!) eingeschlossen, ebenso: simulierter Orangensaft und betrunkene Liebesschwüre und, melancholischer Blickfang, die Nonne am Strand von Tel Aviv, die mit geschürzter Kutte in den Wellen steht.
Saša Stanišićs Texte irgendwo zwischen Tagebuch, Kolumne und Essay können bequem als RSS-Feed abonniert werden. Vor ihm haben bereits Thomas Meinecke und Michael Kumpfmüller für das Projekt „Netznotizen eines Zeitgenossen“ geschrieben, das 2005 von den niedersächsischen Literaturbüros ins Leben gerufen wurde.