transatlantik | literatur on air Bücher und Hörbücher, die Wellen schlagen

"Tango e Poesia" mit Hannes Jaenicke

27. März 2009 | Geschrieben von Petra Metzger

Tango ist der vielleicht sinnlichste Tanz der Welt. Musik und Tanz repräsentieren die vielfältigen Aspekte des Liebeserlebens, sie spiegeln Begehren und Hingabe, Liebeswerben, Lust und Eifersucht. Die aufregende und zuweilen melancholische Musik wird auf der CD „Tango e Poesia“ mit passenden literarischen Texten kombiniert, wodurch sich der Untertitel des Programms „Ein gesprochenes Konzert“ erklärt.

Gedichte und Prosatexte von Vargas Llosa und Neruda, über Celan, Kaléko und Brecht gehen mit den temperamentvollen Kompositionen von Andreas Lucas eine stimmige Symbiose ein. Die männlich-rauchige Stimme von Hannes Jaenicke setzt sie auf ansprechende Weise um. Jaenicke klingt zwar kraftvoll maskulin ist aber auf der vorliegenden CD auch von seiner sanften Seite zu hören und überzeugt vollkommen mit feurigen, leidenschaftlichen und sehnsuchtsvollen Gedichten und Geschichten in Verbindung mit dem „Tanz der Liebe“ und atemberaubender Musik.

„Ich habe immer, immer dein gedacht“ – diese zärtlichen Worte der Zuneigung stammen aus dem Gedicht Hyazinthen von Theodor Storm, das sich um Liebe und um den Tanz dreht. Selbst wenn der aus Norddeutschland stammende Vertreter des Realismus nicht der erste Dichter ist, den man mit Tango und Leidenschaftlichkeit assoziiert, zeigt sich in dem Zusammenklang aus seiner Sprache und der südamerikanisch inspirierten Musik wie die Verbindung ein völlig Neues und durchaus Harmonisches Ganzes ergibt.

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„Am Ende eines ganz normalen Tages“

9. Oktober 2008 | Geschrieben von Petra Metzger

© Christian AltorferFranz Hohler hat neue, unterhaltsame Geschichten geschrieben. Mal haben sie persönliche Erlebnisse zum Gegenstand – etwa „Ich werde alt“, „Ich werde noch älter“ - mal reichen sie in seine Geschichte hinein – „Der Vater meiner Mutter“, „Der Vater meines Vaters“. Dann wieder sind es Alltagsbeobachtungen, die als Ausgangspunkt dienen und konsequent weitergedacht eine bizarre oder überraschende Wendung nehmen, z.B. „London 2“. Man erlebt Franz Hohler zu Hause, beim Einkaufen und auf Reisen, in extremen wie unspektakulären Situationen. Die ganze Vielseitigkeit seiner Gedankenwelt findet sich in der Sammlung „Am Ende eines ganz normalen Tages“ Luchterhand Literaturverlag. Besonderen Charme entfaltet natürlich das Hörbuch, denn niemand könnte die typisch Hohlersche Verschmitztheit und seinen Hintersinn besser transportieren als der Autor selbst.

"London 2" hören:

"Genozid" hören:

 "Gutscheine" hören:

 

 
 

„Die Reifeprüfung“ von Charles Webb

9. Mai 2008 | Geschrieben von Petra Metzger

Ein Kultklassiker der Sechziger Jahre. 

1968 gilt international als das Jahr des Aufbruchs. Im Mai herrschte vor allem in Frankreich durch Studentenproteste, StraĂźenschlachten und Generalstreik der Ausnahmezustand. In Deutschland endete der Wonnemonat mit der Verabschiedung der Notstandsverfassung. Die gesellschaftlichen UmbrĂĽche wirkten sich auch auf Kunst, Kultur und den Lebensstil der 60er Jahre aus.

Ein Beispiel für den sichtbaren Wandel gesellschaftlicher Vorstellungen ist Charles Webbs Roman „Die Reifeprüfung“. Vor 40 Jahren wurde die Verfilmung von Mike Nichols mit dem Oscar für den Besten Film ausgezeichnet. Nominiert waren außerdem Hauptdarsteller Dustin Hoffman und Hauptdarstellerin Anne Bancroft, Katharine Ross als Nebendarstellerin, Kameramann Robert Surtees und die Drehbuchautoren Calder Willingham und Buck Henry für ihre Adaption der Romanvorlage. „The Graduate“ wie der Originaltitel lautet, wurde zu einem der größten Kinoerfolge der 60er Jahre und ist bis heute legendär. Für den damals unbekannten Dustin Hoffmann stellte der Film den Durchbruch seiner Karriere dar. Er setzte auch im Hinblick auf die Musik neue Maßstäbe, denn erstmalig wurden einzelne Szenen von Popmusik untermalt. Wie der Film wurde der Soundtrack von Simon & Garfunkel mit „Mrs. Robinson“ und „The Sound Of Silence“ ein Welterfolg.

40 Jahre später geht der 13fache Grammy-Gewinner Paul Simon mit seinen größten Erfolgen wieder auf Tournee; „Die Reifeprüfung“ führt als vielgespielte Theaterinszenierung ein Nachleben und wurde eben - von Robert Stadlober großartig gelesen – erstmalig als Hörfassung auf CD gebannt.

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Es klopft nicht – es sirrt!

1. März 2008 | Geschrieben von Petra Metzger

Ein Gespräch mit Franz Hohler über seinen Roman „Es klopft“, sein nächstes Buch, das Schreiben an sich, den ‚Salzburger Ehrenstier’ und seinen 65. Geburtstag – geführt von Petra Metzger. © Christian Altorfer altocard@bluewin.ch

Er ist nicht nur ein fleißiger Schreiber, sondern auch ein ebensolcher Vorleser. Um Franz Hohler zu Hause zu erwischen, braucht es mehr als einen Versuch. Wer sich einen Eindruck über die Fülle seiner Leseauftritte verschaffen will, wird auf www.franzhohler.ch bestens bedient. Gerade ist er mit seinem Roman „Es klopft“ unterwegs und gibt allerorts gut besuchte Kostproben aus dem Leben des gutsituierten HNO-Arztes Manuel Ritter, der einen kurzen aber tatsächlich nachhaltigen Kontakt zu einer ihm unbekannten Frau schon beinahe vergessen hat. Als ihm sein Sohn seine neue Freundin vorstellt, erwacht in dem Familienvater die Erinnerung an jenes weit zurückliegende Ereignis. Damit ist nicht allein seine Ruhe dahin. Ritter bemerkt zudem höchst unangenehme Klopfzeichen aus seinem Inneren; fortan wird der Ohrenarzt von einem Tinnitus gepeinigt. Der feine hintersinnige Humor mit dem Franz Hohler über ein bürgerliches Dasein erzählt, das durch ein ebenso unbedachtes wie unverarbeitetes Ereignis aus der eigenen Vergangenheit aus den Fugen gerät, gewinnt zusätzlich durch seine verschmitzte Vortragsweise. Das lässt sich natürlich nicht nur live sondern auch auf dem Hörbuch nacherleben. Die ungekürzte Lesung des Autors ist auf vier CDs gebannt. Hier eine Hörprobe:

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Hallelujalaaf – Glückwünsche zum 75. Geburtstag!

10. Juli 2007 | Geschrieben von Petra Metzger

Erzählungen, Gedichte und Hörspiele bestimmen das Schaffen von Jürgen Becker. Er ist ein Meister der kleinen Form, der in Köln geborene Autor, der heute seinen 75. Geburtstag feiert.


In den 1960er Jahren begann er mit experimenteller Literatur, die jedoch nie schrill und laut geriet. HintergrĂĽndig und tiefsinnig waren und sind seine fein formulierten Gedanken und Wortspiele. Oder lieĂźe sich die fĂĽr seine Heimatstadt so typische Verbindung von Katholizismus und Karneval treffen ausdrĂĽcken als durch oben zitiertes FundstĂĽck aus seinem Werk "Felder"? Seine Schreibkunst wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.


Als Mitarbeiter des WDR und später langjähriger Leiter der Hörspielabteilung im Deutschlandfunk pflegt er seit vielen Jahren seine Affinität zum gesprochenen Wort. So wundert es nicht, dass seine eigenen Lesungen durch ihre feine Nuancierung bestechen.


Zum Nacherleben hat er 2006 eine Bildbetrachtung auf CD gesprochen und sich am Projekt BILDER.GESCHICHTEN Schriftsteller sehen Malerei beteiligt. Elf renommierte deutsche Schriftsteller stellen elf weltberühmte Gemälde aus dem Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in Köln vor. Dort hört man, wie Jürgen Becker mit leicht rheinischem Zungenschlag sich beim Anblick der „Rasenbleiche" an seine Großmutter und Urgroßmutter erinnert fühlt, ja, in der niederländischen Szene Liebermanns, mit dem Kinderbild des Bauerngehöfts seiner Vorfahren warm und heimelig ein Wiedersehen feiert. Der subjektive Zugang wird durch die Stimme der Autoren noch vertieft. So ist eine reizvolle und persönliche Sammlung literarischer Kunstgeschichten entstanden.


Jürgen Becker lebt in Köln und Odenthal. Zuletzt erschienen "Häuser und Häuser", Prosastücke mit Collagen von Rango Bohne, der Journalroman "Schnee in den Ardennen", für den der Autor mit dem Hermann-Lenz-Preis ausgezeichnet wurde und die Journalgeschichten "Die folgenden Seiten".


JĂĽrgen Beckers Besprechung von "Die Rasenbleiche"