Gedenken an
Erich Kästner
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als mein Vater mir seine Kinderbücher vorgelesen hat. Wie ich mich über die Zeichnungen von Walter Trier gefreut habe und wie ich mit ihnen allen mitfieberte: Emil, Lotte, Pünktchen und Anton. Doch Erich Kästner hat mehr als nur Kinderbücher geschrieben. Eine kleine Erinnerung, an den berühmten und beliebten deutschen Autoren, der heute seinen 36. Todestag hat.
Emil Erich Kästner wurde am 23. Februar 1899 als Kind eines Sattlermeisters und einer Näherin geboren. Nach der Volksschule besuchte er ab 1913 das Freiherr von Fletchersche Lehrerseminar in Dresden-Neustadt, brach die Ausbildung zum Volksschullehrer jedoch drei Jahre später- kurz vor Ausbildungsende ab.
“Ich war kein Lehrer, sondern ein Lerner. Ich wollte nicht lehren, sondern lernen. Ich hatte Lehrer werden wollen, um
möglichst lange ein Schüler bleiben zu können. Ich wollte Neues, immer wieder Neues aufnehmen und um keinen Preis Altes, immer wieder Altes weitergeben.”
1917 wurde er zum Militärdienst einberufen und absolvierte seine Ausbildung in einer Einjährig-Freiwilligen-Kompanie der schweren Artillerie. Die Brutalität der Ausbildung prägte Kästner und machte ihn zum Antimilitaristen. In seinem autobiographischen Buch Als ich ein kleiner Junge war, kommentiert er den Beginn des Ersten Weltkriegs mit den Worten: „Der Weltkrieg hatte begonnen, und meine Kindheit war zu Ende.“
Kästners Berliner Jahre von 1927 bis 1933 gelten als seine produktivste Zeit. In wenigen Jahren stieg er zu einer der wichtigsten intellektuellen Figuren Berlins auf. Regelmäßig schrieb er als freier Mitarbeiter für verschiedene Tageszeitungen, wie das Berliner Tageblatt und die Vossische Zeitung sowie für die Zeitschrift Die Weltbühne.
1928 veröffentlichte Kästner sein erstes Buch »Herz auf Taille«, eine Sammlung von Gedichten aus der Leipziger Zeit. Bis 1933 folgten drei weitere Gedichtbände.
Im Oktober 1929 erschien mit »Emil und die Detektive« Kästners erstes und bis heute berühmtestes Kinderbuch. Das Buch wurde allein in Deutschland über zwei Millionen Mal verkauft und bis heute in 59 Sprachen übersetzt. Für die Kinderliteratur der damaligen Zeit war es äußerst ungewöhnlich, dass der Roman in der Gegenwart der Großstadt Berlin spielte. Mit »Pünktchen und Anton« (1931) und »Das fliegende Klassenzimmer« (1933) hatte er ebenso großen Erfolg.
Mit Gerhard Lamprechts Verfilmung 1931 von »Emil und die Detektive« war Kästner jedoch unzufrieden. In der Folge arbeitete er selbst als Drehbuchautor für die Studios in Babelsberg.
1931 veröffentlichte er den Roman »Fabian – Die Geschichte eines Moralisten«. Der in fast filmischer Technik geschriebene
Roman – schnelle Schnitte und Montagen sind wichtige Stilmittel – spielt im Berlin der frühen 1930er Jahre. Am Beispiel des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian beschreibt Kästner darin das Tempo und den Trubel der Zeit wie auch den Niedergang der Weimarer Republik.
Erich Kästner war gerade 34 Jahre alt geworden und auf dem Höhepunkt seines schriftstellerischen Schaffens, da wurde sein Erfolg durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten gebremst. Im Gegensatz zu fast allen seinen regimekritischen Kollegen emigrierte Kästner nicht. Kästner begründete diesen Schritt u. a. damit, dass er vor Ort Chronist der Ereignisse sein wolle. Mindestens genauso wichtig dürfte aber sein, dass er seine Mutter nicht alleine lassen wollte .
Kästner wurde mehrmals von der Gestapo vernommen und aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Und so gehörten die Bücher Erich Kästners zu denen, die am 10. Mai 1933 in den Scheiterhaufen geworfen wurden mit Schlachtrufen wie “Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner“. Mit einer Ausnahmegenehmigung lieferte Kästner 1942 unter seinem Pseudonym „Berthold Bürger“ das Drehbuch zu »Münchhausen«, dem prestigeträchtigen Jubiläumsfilm der Ufa. 1944 wurde Kästners Wohnung in Charlottenburg durch Bomben zerstört. Anfang 1945 gelang es ihm, mit einem Filmteam zu angeblichen Dreharbeiten nach Mayrhofen in Tirol zu reisen, wo er das Kriegsende erlebte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog Kästner nach München, wo er bis 1948 das Feuilleton der Neuen Zeitung leitete und die Kinder- und Jugendzeitschrift »Pinguin« herausgab. Gleichzeitig widmete sich Kästner in München verstärkt dem literarischen Kabarett. So arbeitete er für »Die Schaubude« sowie »Die Kleine Freiheit« und für den Hörfunk. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Nummern, Lieder, Hörspiele, Reden und Aufsätze, die sich mit dem Nationalsozialismus, dem Krieg und der Realität im zerstörten Deutschland auseinandersetzten, u. a. das Marschlied 1945, das Deutsche Ringelspiel und das Kinderbuch »Die Konferenz der Tiere«.
Seinem Anti-Militarismus blieb Kästner treu – er trat bei Ostermärschen als Redner auf und wandte sich später auch entschieden gegen den Vietnamkrieg. Sein aktives intellektuelles Engagement richtete sich zudem gegen die häufigen Versuche einer Einschränkung der Pressefreiheit in der Ära Adenauer. 1952 protestierte er etwa gegen das „Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften“, und zählte 1962 zu den ersten Intellektuellen, die sich gegen die Durchsuchungen und Verhaftungen in der Spiegel-Affäre wandten. Er veröffentlichte jedoch immer weniger, wozu auch sein zunehmender Alkoholismus beitrug.
Kästner blieb zwar lebenslang unverheiratet, hatte aber zum Teil langjährige Beziehungen und Affären. Im Jahr 1957 wurde sein Sohn Thomas geboren; ein gemeinsames Familienleben mit dessen Mutter Friedel Siebert kam allerdings nicht zustande. Kästner lebte weiterhin mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Luiselotte Enderle zusammen, seine beiden letzten Kinderbücher (»Der kleine Mann« und »Der kleine Mann und die kleine Miss«) verfasste er für Thomas.
Er bekam viele Auszeichnungen, unter anderen 1951 das Filmband in Gold für das beste Drehbuch für den Film »Das doppelte
Lottchen«, 1956 den Literaturpreis der Stadt München, 1957den Georg-Büchner-Preis, 1959 das große Bundesverdienstkreuz oder 1960 den Hans-Christian-Andersen-Preis.
Außerdem folgten Ehrenauszeichnungen wie 1969 das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film oder 1970 den kulturellen Ehrenpreis der Stadt München.
Erich Kästner starb am 29. Juli 1974 im Klinikum Neuperlach an Speiseröhrenkrebs. Er wurde auf dem Bogenhausener Friedhof in München beigesetzt.
Kästners Begründung warum er nicht emigrierte:
„Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich läßt die Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen –
wenn’s sein muss, in Deutschland verdorrt.“
»Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen (aus: Kurz und bündig)«
Quellen: kaestnerimnetz.wordpress.com, wikipedia.de



Janette Bürkle 30.07.2010 22:13 - (Antwort)
Ein interessanter Beitrag.
Erich Kästner, ein großartiger Schriftsteller! Aus " Bei Durchsicht meiner Bücher..." eine Auswahl aus vier Versbänden kritisiert er in seinem Vorwort scharf die Bücherverbrennung in Berlin auf dem großen Platz neben der Staatsoper. Den letzten Absatz dieses Vorworts widmet er den Satirikern, Zitat aus "Bei Durchsicht meiner Bücher...", München, zwischen Krieg und Frieden, 1946, Erich Kästner: "Satiriker können nicht schweigen, weil sie Schulmeister sind. Und Schulmeister müssen schulmeistern. Ja, und im verstecktesten Winkel ihres Herzens blüht schüchtern und trotz allem Unfug der Welt die törichte, unsinnige Hoffnung, daß die Menschen vielleicht doch ein wenig, ein ganz klein wenig besser werden könnten, wenn man sie oft genug beschimpft, bittet, beleidigt, auslacht. Satiriker sind Idealisten." ( Druck der Deutschen Verlags-Anstalt, Stuttgart; Veröffentlicht unter der Zulassung Nr. US.-W-1014 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung