Literaturnews
Der Deutsche Hörbuchpreis 2010 geht an …
Ab heute stehen nun alle Preisträger des Deutschen Hörbuchpreises 2010 fest:

Maria Schrader erhält die Auszeichnung in der Kategorie Beste Interpretin für die Lesung des Romans „Geschichten einer Ehe" von Andrew Sean Greer (Random House Audio, 2009). Die Jury würdigte insbesondere die "facettenreiche" Interpretation der Hauptfigur Pearlie Cook, deren heile Welt in einem Strandhaus bei San Francisco aus den Angeln gehoben wird, als ein Freund ihres Mannes an die Haustür klopft.
Bereits dreimal hintereinander war Andreas Fröhlich nominiert, jetzt bekommt er die Auszeichnung Bester Interpret. Er ist der Protagonist in „Doppler" (Verlag Lauscherlounge) nach dem gleichnamigen Roman von Erlend Loe. Ein Familienvater in der Midlife-Krise bricht aus seinem geordneten Leben aus und adoptiert im Wald ein Elchkalb. Mit „großartigem Gespür" für die tragischen und urkomischen Seiten seines Alter Ego, so die Jury, interpretiere Fröhlich dessen Versuche, sich jenseits der Zivilisation ein neues Leben aufzubauen. Das sei „grandios".
In der Kategorie Beste Information gewinnt das Hörbuch „Briefwechsel" (der hörverlag). Es geht um rund 500 Briefe, die der Autor Thomas Bernhard und sein Verleger Siegfried Unseld über einen Zeitraum von 25 Jahren miteinander austauschten. Gegenseitige Wertschätzung, kritische Zuwendung wie auch harte Honorarverhandlungen sind Gegenstand der Korrespondenz. „So prägnant und nuanciert waren Thomas Bernhard und Siegfried Unseld noch nie zu hören wie hier im Briefwechsel, in dem Peter Simonischek und Gert Voss ihre kongenialen Fürsprecher sind", lobte die Jury das vom Hessischen Rundfunk produzierte Hörspiel. Der Preis geht an die beiden Schauspieler.
In der Kategorie Beste Fiktion gewinnt die Produktion „Chronik der Gefühle" (Verlag Antje Kunstmann). Preisträger sind Alexander Kluge und Regisseur Karl Bruckmaier. Kluge veröffentlichte im gleichnamigen Buch sämtliche seiner seit 1962 erschienenen Erzählungen. Die Jury lobte die Produktion des Bayerischen Rundfunks als „faszinierende Enzyklopädie der Empfindungen unserer Gegenwart und der jüngeren Vergangenheit". Karl Bruckmaier sei ein „außerordentliches Werk" gelungen.
Als Bestes Kinderhörbuch wird das bereits mehrfach prämierte WDR-Hörspiel „Wie man unsterblich wird" (Igel Records) von Sally Nicholls ausgezeichnet. Preisträger sind die Regisseurin Angeli Backhausen und die beiden jugendlichen Sprecher Kai Hogenacker und Patrick Mölleken. Die Geschichte handelt vom 11-jährigen leukämiekranken Sam und seinem Freund Felix, die sich im Krankenhaus kennen lernen und sich gemeinsam daran machen, letzte Wünsche zu verwirklichen. „Eindrucksvolle Sprecher und eine behutsame, kluge Regie schaffen ein ernsthaftes, unpathetisches Kunst-Stück, das Leichtigkeit verströmt und seine Hörer zugleich traurig macht und dennoch hoffnungsvoll stimmt", so die Jury-Begründung.
Den Preis in der Kategorie Das besondere Hörbuch/Bester Krimi erhält „Der Himmel auf Erden" (Random House Audio). Preisträger sind der Autor Åke Edwardson und Vorleser Matthias Brand, denen die Jury eine „Meisterleistung" bescheinigt. In Göteborg werden vier Studenten niedergeschlagen, während gleichzeitig Kinder kurzzeitig aus einer Kindertagesstätte entführt und wieder zurückgebracht werden. Mysteriöse Fälle, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und doch zusammenhängen. Die Jury lobt: „Eines der besten Bücher eines der besten Krimiautoren Skandinaviens". Und: „Ganz große Sprechkunst" von Matthias Brandt.
Theresia Singer verlegt akustische Reiseführer, die nicht nur den besten Weg zeigen, sondern Lust aufs Verweilen wecken. Dafür bekommt sie den Deutschen Hörbuchpreis für die Beste verlegerische Leistung. Für die Reihe „wegwärts" (Verlag headroom) reiste Abenteurer und Autor Joscha Remus durch die Welt und brachte interessante Geschichten, Interviews, Alltagsgeräusche und Musik mit. Die Jury lobte die Verlegerin und Regisseurin Singer „vor allem für den verlegerischen Wagemut, die Risikofreude".
Mitglieder der Jury des Deutschen Hörbuchpreises sind die Schauspielerin Sabine Postel, der FOCUS-Redakteur Jobst-Ulrich Brand, Lothar Sand vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Prof. Sabine Breitsameter von der Hochschule Darmstadt, PD. Dr. Holger Schulze, Kulturwissenschaftler, die Hörbuchregisseurin Astrid Roth, die Journalistin Dr. Eva-Maria Lenz und der Publizist Dr. Franz Josef Görtz.
Die Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises 2010 findet im Rahmen der Hörbuch-Gala am 10. März im WDR-Funkhaus am Wallrafplatz statt. Erstmals ist die Gala zugleich Eröffnungs¬veranstaltung des internationalen Kölner Literaturfestes lit.COLOGNE. Auch die Partnerauszeichnungen "Hörbuch des Jahres" der hr2-Bestenliste und die per Internet-Abstimmung ermittelten Publikumspreise "HörKules" und "HÖRkulino" der "Buchwerbung der Neun" werden an diesem Abend vergeben.
Die Preisverleihung wird am 10. März 2010, 20.05 Uhr im Radio auf WDR5 und hr2 live übertragen. Eine Zusammenfassung sendet 3sat am 14. März 2010 ab 11.30 Uhr.


