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Buchporträt [Olympia Spezial]

 

»Spiele« von Ulrike Draesner

20. August 2012 | Geschrieben von T-Team

Die Olympischen Sommerspiele sind nun vorbei, die Fackel ist erloschen und die Athleten sind überwiegend wohlbehalten und mit so mancher Medaille im Gepäck wieder heimgekehrt. Sportbegeistert oder nicht - in den vergangenen Wochen konnte sich kaum jemand der Berichterstattung über die Spiele entziehen. Neben den jeweils aktuellsten Ergebnissen, Erfolgen, Pannen und Fehlentscheidungen ging es auch um die spätestens seit 9/11 allseits präsente Sicherheitsfrage. In diesem Zusammenhang wurde ein Ereignis in Erinnerung gerufen, welches den Grundgedanken der Völkerverständigung durch fairen, sportlichen Wettkampf erschütterte:
Das sogenannte Olympia-Attentat im Jahr 1972 in München. Noch heute sind viele der damaligen Umstände unklar und verworren, und genau das ist eines der zentralen Themen unseres heutigen Buchtipps!

 

Im Jahr 2002 ist Katja Berewski mit Anfang vierzig eine weitgereiste und erfolgreiche Fotojournalistin.
Ermüdet und unbefriedigt von ihrem Beruf kehrt sie in ihre Heimatstadt München zurück.
Kaum wieder in München, überfallen sie die Erinnerungen an ihre Kindheit als Halbwaise - und vor allem an die Ereignisse des Jahres 1972.
1972, die Olympischen Spiele werden in München ausgetragen. Es herrschen große Aufregung und Vorfreude, eine U-Bahn wurde eigens gebaut und ganz Deutschland hat sich mit - teils geliehenen - Fernsehern ausgerüstet.

 


Auch die 12 Jahre alte  Halbwaise Katja und ihr Vater sind voller Vorfreude. Doch nicht nur die nahenden Spiele versetzen Katja in Aufregung, sondern auch der 5 Jahre ältere Max. Max ist Katjas erste große Liebe, doch nachdem er sie bitter enttäuscht hat demütigt sie ihn aus Rache vor all seinen Freunden. Max verlässt daraufhin die Schule und geht zur Polizei, wo sein erster Einsatz bei den Olympischen Spielen auch gleichzeitig sein letzter ist. Er gerät auf dem Fürstenfeldbrucker Militärflughafen in die Schießerei zwischen den palästinensischen Terroristen und den mangelhaft ausgerüsteten Sicherheitskräften und wird schwer verwundet. So schwer, dass er seinen Polizeidienst quittieren muss und lebenslangen Schaden davonträgt.

 

Die Ereignisse von damals belasten die nun erwachsene Katja noch immer, denn sie fühlt sich schuldig. Also beginnt die Journalistin zu recherchieren um herauszufinden, was damals wirklich geschah, wie es so weit kommen konnte und welche Rolle Max in der Geiselnahme spielte.  Bei ihrer Suche nach Zusammenhängen und Antworten stößt sie auf unzählige alte Zeitungs- und Fernsehberichte, die sie mehr und mehr verwirren und gleichzeitig immer neugieriger machen; Denn offenbar gelangten viele Informationen über die blutige Geiselnahme nur spärlich oder gar nicht an die Öffentlichkeit...

 

Ulrike Draesners Roman ist eine grandios verknüpfte Mischung aus tatsächlicher Zeitgeschichte und dem fiktiven Leben weniger Einzelpersonen, in dem es um Erinnerung, um Schuld, um Heimat und um die Suche nach der Wahrheit geht. Und auch um den Einfluss, den eine sehr große Geschichte auf die kleine Geschichte eines Einzelnen haben kann.

 

Bild 2: Gedenktafel vor dem Quartier der israelischen Mannschaft. Quelle: Wikipedia

 
 

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