Buchporträt
»Blumen für den Führer« - Jürgen Seidel
Am 23. August 2009 wurde erstmals der Europäische Gedenktag für die Opfer des Stalinismus und des Nationalsozialismus begangen, einem europaweiten Gedenktag an die Opfer aller totalitären und autoritären Regime.
Der Autor Jürgen Seidel tastet sich aus der Sicht einer Hitler glorifizierenden Jugendlichen von einer ungewöhnlichen Perspektive an das Thema heran.
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Sommer 1936. Die 15-jährige Reni lebt in dem ländlich gelegenen Mädchenpensionat Ulmengrund, in dem Waisenkinder erzogen werden. Wer ihre Eltern sind, weiß sie nicht. Reni erzählt den anderen Mädchen im Heim Abend für Abend wilde Geschichten von ihren Eltern, die angeblich Arzt und Krankenschwester sind und in Afrika im Urwaldhospital des berühmten Albert Schweitzer Gutes tun. Beinahe glaubt sie schon selbst, dass ihre Eltern sich nur deshalb nicht um sie kümmern können. Albert Schweitzer ist Renis Held – und noch einem gilt ihre uneingeschränkte Verehrung: Reichskanzler Hitler. Eine „reine schöne Seele“ ist er, das steht für Reni fest. Ihre Sammlung von Führer-Zeitungsbildern nimmt sie sich vor, wenn es ihr nicht gut geht und streichelt sie ein bisschen.
Jockel ist der Sohn eines Knechts vom benachbarten Bauernhof: Die hübsche Reni hat Jockel völlig verwirrt, und als die beiden sich einen kurzen Moment unterhalten, verlieben sie sich ineinander. Der erste zaghafte Ansatz, gemeinsam von einer Zukunft zu träumen, wird jedoch bei beiden Jugendlichen jäh erstickt. Renis Leben ändert sich von heute auf morgen, als ihr eröffnet wird, dass sie auserwählt wurde, Hitler bei der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Berlin pressewirksam einen Blumenstrauß zu überreichen.
Reni kann ihr Glück kaum fassen. Sie glaubt, dass dieser Moment sie ganz verwandeln wird. Aber dann überflügelt Renis Realität sogar noch ihre Fantasie: Reni erfährt nämlich überraschend, dass sie gar kein Waisenkind ist, wie sie immer annehmen musste. Ihr Vater ist Graf Haardt, der Besitzer des Mädchenpensionats und der umliegenden Ländereien.
Plötzlich bekennt sich der Graf zu seiner hübschen blonden und blauäugigen Tochter – und diesem Umstand hat Reni auch ihr großes Blumen-Glück zu verdanken. Ihr Vater gehört nämlich zu den einflussreichsten Kreisen des aufstrebenden Nazi-Regimes, und während Reni dies alles für das höchste Glück hält, beginnt ihr Vater, ihr den Umgang mit „Subjekten“ wie Jockel zu verbieten und sie in seine politischen Machenschaften mit einzubeziehen. Verzweifelt versucht Reni zu leugnen, dass in ihrer Welt plötzlich nichts mehr so hoffnungsvoll ist, wie es schien.
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Jürgen Seidel wurde 1948 in Berlin geboren. Nach einer handwerklichen Ausbildung lebte er drei Jahre lang in Australien und Südostasien, bevor er nach Deutschland zurückkehrte, das Abitur nachmachte und ein Studium der Germanistik und Anglistik mit der Promotion abschloss. Jürgen Seidel veröffentlichte Erzählungen, Hörspiele, Rundfunkbeiträge, literaturwissenschaftliche Publikationen - und zahlreiche Jugendromane. Er zählt zu den vielschichtigsten, interessantesten und literarischsten deutschen Jugendbuchautoren. Jürgen Seidel lebt mit seiner Familie in Neuss.
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»Blumen für den Führer« - Ein provokanter und bewegender Jugendroman über die Hitler-Verehrung in der frühen NS-Zeit.
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