Rund um die Welt
»Grand Hotel« von Jaroslav Rudiš
Es ist Freitag. Das heißt für uns: Rund um die Welt! Doch dieses Mal müssen wir gar nicht weit reisen, dieses Mal geht’s in die Tschechische Republik. Und dort wartet auf uns ein alter Bekannter…
Wenn man in Tschechien nach den bedeutsamsten Persönlichkeiten des Landes fragt, dann hört man unter den erstgenannten Menschen nicht nur Politiker und Sportler heraus, sondern auch einen Namen, den außerhalb Tschechiens nur wenige kennen dürften, der sich aber in der Literatur mittlerweile auch in Deutschland einen Namen gemacht hat: Jaroslav Rudiš. Ja, richtig gehört. Derselbe Rudiš, dessen neuestes Werk „Die Stille in Prag“ erst vor einiger Zeit hier auf dem Blog als Podcast-Titel hoch im Rennen war. Doch heute geht es nicht um „Die Stille in Prag“, sondern um ein Buch, das schon vor vier Jahren in Deutschland erschienen ist, als zweites Buch nach „Der Himmel unter Berlin“.
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Wie auch unser Podcast-Titel beschreibt „Grand Hotel“ nämlich auch vortrefflich die tschechische Lebensart anhand seiner Charaktere, in diesem Fall jedoch nicht in der pulsierenden Hauptstadtmetropole Prag, sondern in der tiefen slawischen Provinz. Der Roman handelt von Fleischmann, einem sog. „Mädchen für alles“ im Grand Hotel, einem riesigen Hotelkomplex und einem Chef, der ihm nur allzu oft gehörig auf die Nerven geht mit seinen nicht abreißenden Frauengeschichten.
Fleischmann dagegen ist eher der Typ „Träumer“ und studiert als solcher lieber die Wolkenformationen am Himmel. Passend dazu ist er auch heillos in eine Meteorologin aus dem Fernsehen verschossen, die ihm auf seine wiederholten Liebesbriefe jedoch immer nur dieselbe, nichtssagende Autogrammkarte zusendet.
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Klar, dass ein Ausweg her muss. Und siehe da: Plötzlich gibt es da die hübsche Serviererin Ilja, die alles daran setzt, mit Fleischmann aus dem Trott des Grand Hotels und der Provinz auszubrechen und das Glück zu suchen.
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Typischerweise, so wie man es von Rudiš kennt, durchleben die Charaktere in dem Abschnitt ihres Lebens, in dem sie vom Leser begleitet werden, einen kleinen – aber feinen – Wandel, der ihre Situation verändern aber auch ihre eigene Persönlichkeit umfassend umschreiben kann. Einfühlsam und genau schildert Rudiš so auch in „Grand Hotel“ ungemein fesselnd und authentisch ein ganz besonderes Gefühl. Eine ganz besondere Art. Es ist schwer, in Worte zu fassen, mit welch einer Magie den Figuren in Rudiš‘ Romanen Leben eingehaucht wird.
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Woher mag das kommen? Rudiš kennt sich eben aus. Als ehemaliger Kulturredakteur für die Tageszeitung Právo, lebt und arbeitet er selbstständig in Prag, erlebt das Leben und die Leute dort hautnah und scheint mit einem besonderen Talent ausgestattet zu sein, diese Emotionen auf Papier zu bringen. Und nicht nur das. 2006, also im selben Jahr, in dem es in Tschechien veröffentlicht wurde, kam eine Verfilmung von „Grand Hotel“ in die Kinos. Leider existiert keine deutsche Fassung.
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Link zum Trailer der tschechischen Verfilmung
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Bisher im Freitagsspecial »Rund um die Welt« erschienen: Archiv

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