Reiseführer
Literarischer Spaziergang durch Hamburg
Vor einem Monat haben wir mit euch einen kleinen Ausflug nach Berlin unternommen und dort die wichtigsten für die Literatur wertvollen Orte besucht. Heute gehen wir wieder mit euch auf Deutschlandreise. Nächster Halt: Hamburg.
In Hamburg gibt es eine wahre Fülle an literarisch denkwürdigen Orten, an Geburtshäusern und Schaffensorten großer Schriftsteller, an Denkmälern und Plätzen.
Wir haben euch die wichtigsten im Folgenden zusammengestellt.
An der Ecke Dammtorstraße und Valentinskamp erreicht man bei einem Bummel durch die Hansestadt den Gänsemarkt. Hier münden mehrere Einkaufspassagen sowie der landläufig bekannte Jungfernstieg, die berühmte Flaniermeile an der südlichen Alster. Auf dem riesigen Gänsemarkt fällt aber vor allem eines ganz schnell auf: ein großes auf einem Sockel platziertes Denkmal. Es zeigt einen der wohl bekanntesten deutschen Dichter der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781). Das von Friedrich Schaper entworfene Monument soll an den Mann erinnern, der 1767 in Hamburg das Deutsche Nationaltheater geleitet hatte und dabei der Komödie „Minna von Barnhelm“ zur Uraufführung verhalf. Geholfen hat es nichts. Das Unternehmen ging bankrott. Doch zumindest ein wunderschönes Denkmal für die Nachwelt ist geblieben.
Anders als Lessing hat ein gewisser Friedrich Schiller (1759-1805) keinerlei wirklich bedeutsame Beziehung zu Hamburg. Dennoch gibt es auch hier ein Schiller-Denkmal. Ihr findet es im Gustav-Mahler-Park, einem öffentlichen Park, der nach dem 1. Kapellmeister des Hamburgischen Stadt-Theaters bekannt wurde. Er erstreckt sich vom Dammtordamm zum Alsterufer und grenzt im Süden mittlerweile an bebaute Flächen. Das Denkmal für Schiller wurde 1866 vom Hamburger Schillerverein gestiftet und stand ursprünglich vor der alten Kunsthalle, ehe es nach dem Krieg hierher gebracht wurde.
Kommen wir nun als Drittes zur Esplanade, einer Straße zwischen Stephansplatz und Neuem Jungfernstieg/Lombardsbrücke, einem literarisch und architektonisch enorm bedeutsamen Pflaster. Die Esplanade Nr. 37 gilt als Modell für das Wohnhaus des Großvaters von Hans Castorp in Thomas Manns „Der Zauberberg“. Und quasi gleich nebenan in der Esplanade Nr. 39 stand das Haus, in dem Heinrich Heines Schwester Charlotte Embden wohnte.
Wiederum gleich gegenüber, in der Esplanade Nr. 19, wohnte Heine bei seinem letzten Hamburg-Besuch im Jahre 1844. Und nicht zuletzt trat Joachim Ringelnatz 1923 im „Cabaret Esplanade“ auf.
Nun erreichen wir das Broschek-Haus am Heuberg/Große Bleichen. Heute als Renaissance-Hotel bekannt, stand hier einst das Druckhaus Broschek & Co. Nachdem es im Krieg nahezu komplett zerstört worden war, baute sich der Journalist Kurt W. Marek (1915 Berlin-1972 Hamburg) aus zwei Telefonzellen eine Notunterkunft und lernte eines Nachts den Verleger Ernst Rowohlt kennen. Unter dem Namen C.W. Ceram erschien 1949 Mareks Weltbestseller: „Götter, Gräber und Gelehrte“.
Neben dem Broschek-Haus befand sich übrigens die Buchhandlung Boysen, wo ein gewisser Wolfgang Borchert 1939/40 ziemlich lustlos seine Ausbildung zum Buchhändler absolvierte.
Am Ende unseres kleinen Spaziergangs kommen wir auf den Rathausmarkt, dem Platz vor dem Sitz des Oberbürgermeisters und regelmäßiger Austragungsort diverser Großveranstaltungen in Hamburg. Hier steht ein Denkmal für Heinrich Heine, erbaut von Waldemar Otto aus dem Jahr 1982. Es zeigt den Dichter als nachdenklichen jungen
Mann. Man mag sich wundern, warum er so traurig drein schaut und könnte die Antwort in der Tatsache finden, dass dieses Denkmal am Rathausmarkt eigentlich eine Neuschöpfung ist, und dass das erste Hamburger Heine-Denkmal aus dem Jahr 1911 wegen Heines jüdischer Abstammung von den Nationalsozialisten zerstört und eingeschmolzen worden war.
Nächsten Monat werden wir euch wieder auf einen literarischen Rundgang durch eine große deutsche Stadt entführen. Ihr dürft gespannt sein!
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Quellen: Seiteneinsteiger "Literarischer Spaziergang Hamburg-Innenstadt", Wikipedia
Bildquellen: Wikipedia, gemeinfrei (außer Abb. copyrighted by Staro1)

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