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Zum 300. Geburtstag von Jean-Jaques Rousseau
Der 1712 in Genf geborene Schriftsteller, Komponist, Philosoph, Naturforscher und Pädagoge Jean Jaques Rousseau verlebte eine glückliche Kindheit, obwohl seine Mutter kurz nach der Geburt starb. Seine Tante befasste sich liebevoll mit dem kränkelnden Kind und sein Vater verschaffte ihm sehr früh einen Zugang zur Literatur.
Dann kam 1722 die große Wende für den Zehnjährigen, als sein Vater, der einen Offizier im Streit mit einem Degen verletzt hatte, vor der drohenden Gefängnisstrafe flüchtete und seinen Sohn bei einem Pfarrer zurückließ, der ihn mit ungerechter Bestrafung und Misshandlungen traktierte. Mit 16 ging Rousseau auf Wanderschaft, arbeitete in Turin als Sekretär oder Diener in adeligen Häusern und wurde Ziehsohn und später Liebhaber von Madame de Warens. Mit 20 wurde er Musiklehrer und eignete sich als Autodidakt umfangreiches Wissen auf vielen Gebieten an. Trotz vieler Bekanntschaften mit Künstlern und Intellektuellen verlief sein Leben in Armut. Die Kinder, die er mit seiner Geliebten Therese zeugte wurden als Findelkinder abgegeben.
1754 wurde Rousseau bekannt durch philosophische Schriften über die Zivilisationsgeschichte. Seine Thesen über die Vergesellschaftung des Menschen, der von Natur aus gut ist, stießen aus unterschiedlichen Gründen bei Kirchen und Aufklärern gleichermaßen auf Ablehnung. Aus Sicht der Kirchen war der Mensch mit der Erbsünde belastet, während die Aufklärer den Menschen als vernunftbegabt und gesellschaftsfähig betrachteten. Dagegen sah Rousseau das Konkurrenzdenken in der Gesellschaft und das Privateigentum als Ursache für den Verlust der Freiheit und der Autonomie des Menschen. Mit seinen Schriften über die Ungleichheit der Menschen als Folge der Arbeitsteilung wurde Rousseau zum Mitbegründer des europäischen Sozialismus. Sein pädagogisches Konzept bestand in der freien Entfaltung eines Kindes gemäß seiner Natur. Dabei soll der Pädagoge allerdings den Zögling unmerklich so beeinflussen, dass sein Wille schließlich mit dem des Erziehers übereinstimmt.
Mit der Oper „Le Devin du village“ kam 1752 endlich der Erfolg, in dessen Folge auch Rousseaus Jugendwerk „Narcisse“ aufgeführt wurde. Doch selbst als die Einkünfte stiegen, wurde das dritte Kind als „Enfant Trouvé“ abgegeben. Rousseau veröffentlichte sein erfolgreiches Werk „Julie oder Die neue Heloise“, während „ Emile“ und seine staats-theoretische Schrift über die Prinzipien des Staatsrechts verboten wurden, weil er alle Religionen darin verurteilte, die sich auf Offenbarung gründen, also auch das Christentum. In Genf wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen und er musste flüchten. Nach längerer Flucht gewährte ihm 1765 Friedrich der Große schließlich Asyl. Wenige Monate lebte er glücklich auf der St. Peterinsel im Bieler See, genoss die Natur und machte sich über die Flora kundig. Dann wurde er wieder verfolgt und reiste unter einem Decknamen unstet herum. Seit 1762 lebte er wieder mit Therese in Paris , wo er geduldet wurde, was ihm aber nicht über die inzwischen zwanghaften Ängste wegen seiner Verfolgung hinweghelfen konnte.
Trotz der Teils wahnhaft gewordenen Paranoia verfasste er in seinen letzten Jahren noch mehrere kleinere Schriften. Sein letztes größeres Werk waren die Rêveries du promeneur solitaire („Träumereien des einsamen Spaziergängers“).
1778 starb Rousseau schließlich – angeblich infolge eines Schlaganfalls – und wurde auf der sogenannten „Insel der Pappeln“ begraben. Die Jabobiner, die ihn als den Wegbereiter der großen Revolution sahen, überführten seine sterblichen Überreste 1794 ins Pariser Panthéon, wo sie bis heute geblieben sind.

