Rund um die Welt - EURO Spezial
Literarische Reise durch die Gastgeberländer - Heute: Ukraine
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Wie wir gestern erfahren haben, hat die Literatur in Polen eine weit zurückreichende Geschichte aufzuweisen. In der Ukraine dagegen hat sich eine eigenständige Literatur erst relativ spät entwickelt. Ihre Anfänge können in etwa auf das Jahr 1798 datiert werden, als Wegbereiter gilt bis heute der ukrainische Poet Iwan Kotljarewskyi mit seinem Werk „Aeneis“, einer Neuadaption der altertümlichen Heldengeschichte von Vergil.
Vor ihm entwickelten sich nur ausgehend vom 11. Jahrhundert verschiedene Heldenepen, richtige Literaturen konnte man jedoch erst nach dem Zerfall des alten Kiewer Reichs und der Entwicklung von drei Sprachen in den Nachfolgestaaten ausmachen.
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Im 19. Jahrhundert gleichen sich die literarischen Bewegungen in den beiden Gastgeberländern der EURO 2012 zum ersten Mal merklich. In derselben Zeit, in der Kotljarewskyi seine Aeneis schrieb, entwickelte sich zum ersten Mal eine ukrainische Schriftsprache heraus, großen Anteil daran trägt nach Meinung der Literaturwissenschaftler heute auch Tara Schewtschenko (1814-1861 - siehe Selbstbildnis links), der seiner Zeit noch harsch dafür kritisiert wurde, seine Texte in einem bäuerlichen ukrainischen Dialekt des Russischen zu verfassen. Doch mit jedem Werk, in dem sein rebellischer Unterton gegen die Zensur der russischen Regenten Schewtschenko eine Reihe von Bewunderern bescherte, entwickelte sich der Lyriker zu einer der bedeutendsten Gestalten der ukrainischen Romantik. Der Literatur-Brockhaus nennt Schewtschenko den „Kristallisationspunkt“ ukrainischer Nationalromantik.
 
Den nächsten bis heute größten Einschnitt erfuhr die ukrainische Literatur dann ab 1876. In jenen Tagen gehörten westlich gelegene Teile der Ukraine dem Staatsgebiet Österreich-Ungarn an und wurden so auch kulturell massiv in ihrer Entwicklung beeinflusst. Wichtige Schriftsteller in dieser Zeit waren Lesja Ukrainka und Iwan Franko (1856-1916, siehe Foto). Letzterer wird neben Schewtschenko als einer der bedeutsamsten ukrainischen Schriftstellern verehrt.
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Noch heute hat es die ukrainische Literatur schwer, sich aus dem großen Schatten des russischen Marktes zu befreien. Bücher in ukrainischer Sprache erscheinen weiterhin vorwiegend aufgrund staatlicher Förderungen, obgleich die Zahl an Verlagen, die regelmäßig ukrainische Texte verlegen, von 350 leicht ansteigt. Leider übersteigt die Durchschnittsauflage solcher Titel selten 300 Exemplare. Umso wichtiger sind für ukrainische Autoren heute Auftritte auf Buchmessen, hier besonders erwähnenswert das Lemberger Buchforum, die bis dato größte ukrainische Buchmesse, sowie natürlich auch die Frankfurter Buchmesse, wo der ukrainische Gemeinschaftsstand jährlich wächst.
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Wir hoffen, euch einen kleinen literarischen Überblick über die beiden Länder gegeben zu haben, wo die nächsten vier Wochen hoffentlich alle Menschen ein friedliches Fest feiern werden. Mögen die Spiele beginnen!
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Bisher im Freitagsspecial »Rund um die Welt« erschienen: Archiv

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