transatlantik | literatur on air Bücher und Hörbücher, die Wellen schlagen

Rund um die Welt - EURO Spezial

 

Literarische Reise durch die Gastgeberländer - Heute: Polen

7. Juni 2012 | Geschrieben von T-Team

Morgen ist es soweit! Die Fußball Europameisterschaft in Polen und der Ukraine steht in den Startlöchern! Die ganze Welt schaut auf diese beiden Länder Osteuropas und fiebert gebannt mit.
Wir wollen heute und morgen die Gelegenheit nutzen, euch auf einem kleinen Streifzug die Literatur beider Länder näherzubringen!

 

Beginnen wir unsere Reise in Polen. Um genauer zu sein, in Krakau. Hier lebt Sławomir Mrożek (siehe Foto), einer der momentan bedeutendsten Schriftsteller Polens. Nach seiner Zeit im Asyl in Folge der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968, die er in Paris und Mexiko verbrachte, kehrte er 1996 nach Polen zurück und war fortan dort wieder schriftstellerisch unterwegs. Sein Werdegang ist sinnbildlich für eine Generation von Schriftstellern in Polen, die aufgrund politischer Umstände das Land verließen und als Exilautoren öffentliches Ansehen erlangten. So prägte Mrożek wie auch der polnische Dichter Czesław Miłosz gerade die Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Letzterer erhielt sogar den Literaturnobelpreis.
 

Mittlerweile kann sich Polen neben Miłosz und zwei früheren Preisträgern auch über eine Frau freuen, die den Literaturnobelpreis erhielt. Die Lyrikerin Wisława Szymborska wurde 1996 die Ehre zuteil, und zwar »für ihr Werk, das ironisch-präzise den historischen und biologischen Zusammenhang in Fragmenten menschlicher Wirklichkeit hervortreten lässt«, so die Begründung der Schwedischen Akademie. Im Februar diesen Jahres starb Szymborskas. Doch für die polnische Literatur ist der Nachwuchs gesichert. Große Hoffnungen ruhen auf Dorota Masłowska. Ihren Debütroman schrieb die mittlerweile 28-jährige mit achtzehn Jahren, ein aufbrausendes Werk über das perspektivlose Leben polnischer Jugendlicher nach dem Fall der Sowjetunion. Inzwischen schreibt Masłowska auch Bühnenstücke und Kolumnen und wird in der Heimat als Riesentalent gefeiert. Ähnlich geht es da Olga Tokarczuk, deren Roman „Unrast“ wir erst kürzlich als Thema bei »Rund um die Welt« behandelt hatten. Auch sie gilt als eine der vielversprechendsten Stimmen polnischer Literatur ab 1989. 
 

Die Geschichte der polnischen Literatur hat seine Ursprünge im tiefen Mittelalter und erstreckt sich über die Renaissance, den Barock und die Aufklärungszeit bis hinein ins 19. Jahrhundert, in die sog. »polnische Romantik«, die eine Folgereaktion polnischer Literaten auf die politischen Teilungen Polens gegen Ende des 18. Jahrhunderts war. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges vollzog auch die polnische Literatur eine stete Entwicklung. Als enorm mannigfaltig erweist sie sich danach, als das Hauptthema freilich die Verarbeitung des 2. Weltkrieges und seiner verheerenden Auswirkungen auf das Land war. Es entwickelten sich verschiedenste Strömungen wie Pessimismus, Nihilismus, Zynismus und Skepsis, mittels derer die Kulturschaffenden der Nachkriegszeit versuchten, ihre Erlebnisse und Eindrücke aufs Papier zu bringen. Schon damals war die polnische Literatur natürlich auch geprägt von Exilanten, wie es unser Sławomir Mrożek einer gewesen ist. Die Riege an Schriftstellern in dieser Zeit war groß und gespickt mit allerlei weltbekannten Namen. Nicht zuletzt Karol Wojtyła (als Papst Johannes Paul II. von 1978 bis 2005 Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche) reiht sich da in die Liste ein.

 

Morgen geht unser »Rund um die Welt Special« in die 2. Halbzeit - dann mit allem Wissenswerten über die ukrainische Literatur im Überblick!

 
 

Kommentare

    Noch keine Kommentare

 

Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

 
Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!