Kommentar
Heute gehen wir in die Bücherei ...
Sie war für mich der Ort der Stille, der Ruhe – der Inbegriff des Herumstöberns an langen, verregneten Nachmittagen und des Schmökerns in alten Büchern, die es schon längst nicht mehr in einer Buchhandlung zu kaufen gab. Sie war Rückzugsort Nummer Eins zum Lernen aufs Abitur und andere Prüfungen und damit irgendwie auch Teil meiner Kindheit und Jugend. Nein – sie ist es immer noch: die Bücherei, am Rosenkavalierplatz in München.
Doch warum ist das so? Was für einen Zauber Bibliotheken doch ausüben können! Eine kleine (persönliche) Reise in die Vergangenheit…
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Quasi jeder von uns kennt sie von innen und von außen. Von oben bis unten. In- und auswendig. Jeder Bücherfreund, doch nicht nur der, ja fast alle Menschen behaupten doch von sich, gerne in eine Bücherei zu gehen. Manche verbringen dort ganze Tage, lesen dort ganze Bücher aus und kennen die Angestellten irgendwann beim Vornamen.
 Für mich selbst war die Bücherei, und bei mir handelte es sich schon immer um die städtische Bibliothek am Arabellapark, allzeit ein wichtiger Bestandteil des eigenen Lebens. Meine persönlichen Erinnerungen daran reichen zurück bis in frühe Kindertage. Da waren Nachmittage, in denen man als Vorschulkind stundenlang mit dem besten Freund in der Kinderecke tollte. Da waren gehasste Augenarztbesuche inklusive Augentropfen, die einem für eine Stunde gänzlich die Sicht trüben konnten. Doch schon damals wusste ich: „Danach geht’s um die Ecke zur Bücherei! Und dann darf ich mir die tollsten Dino-Bücher mitnehmen. Einfach so! Umsonst!“ Meist noch im Auto auf dem Rücksitz nach Hause, wenn meine Augen wieder klare Sicht hatten, schwebten sie schon über T-Rex und Triceratops.Â
   Später, als ich ganz in der Nähe der Bücherei aufs Gymnasium kam, nahm meine Begeisterung für die Bücherei nicht ab. Freilich, der Inhalt und die Seitenanzahlen der Bücher, die ich ausgeliehen habe, haben sich im Laufe der Zeit verändert. Doch eine perfekte Schulmittagspause verging nicht ohne den Gang in die Bücherei. Und nicht nur das: eine Bücherei bietet ja weitaus mehr, als bloß Bücher. Und so wurde sie auch eine stete Anlaufstelle, um in einer Fülle von CDs zu stöbern und seinen musikalischen Horizont erweitern zu können.Â
  Vieles verändert sich mit dem Laufe der Zeit, auch man selbst, aber die Bücherei schien mir immer eine der wenigen Orte, wo die Zeit stehenzubleiben schien. Wo dem Lärm von der Straße der Einlass strikt verweigert wurde und wo die eigenen großen und kleinen Probleme auf der Türschwelle Halt machten. Ich bin mir sicher, dass das die schiere Anwesenheit dieser Hülle und Fülle an Büchern auslöst, man sieht das ja auch an Buchhandlungen, die in ihrer wunderbaren dichten Atmosphäre Momente des Friedens und Gelassenheit hervorrufen können.
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In letzter Zeit sind meine Besuche in Bibliotheken rarer geworden. Das ist sehr schade, doch irgendwie auch wieder einleuchtend, verschreiben sich ja gerade Stadtbibliotheken vor allem der Lese- und Freizeitförderung von Kindern und Jugendlichen sowie einer wichtigen Stellung als Lernort und Zugang zu wichtigen Lerninhalten. Sicherlich hat auch das Internet – ganz allgemein – mit seinem freien und kostenlosen Zugang zu unendlichem Unterhaltungs- und Informationsmaterial einen großen Einfluss darauf, wie oft man den Gang in eine Bücherei antritt. Einher mit dem Internet geht auch ein anderer Trend der Digitalisierung von Literatur, der auch vor den Gemäuern der Bibliotheken nicht Halt macht: ebooks. Sicherlich stecken diese, was ihren Marktanteil betrifft, in Europa noch in den Kinderschuhen, doch eine Zukunft, in der eine Bibliothek einem Antiquariat gleichkommen und es Neuerscheinungen von Büchern nur gar mehr in digitaler Form geben würde, ist nicht mehr utopisch.Â
   Umso nostalgischer und herzerwärmender sind so meine Gedanken an die schöne Bücherei am Arabellapark. Und umso mehr reizt es mich, schon bald mal wieder – so wie früher – in den Bus zu steigen, hinzufahren, vorbei an den gurrenden Tauben auf dem Rosenkavalierplatz, wo die Menschen sich in der Nachmittagssonne entspannt eine Pause auf Bänken oder im Café gönnen, hinein in die Bücherei zu gehen und die Zeit - wenigstens für einen Augenblick - wieder gänzlich still stehen zu lassen.Â
Wer mehr über die Stadtbibliothek München erfahren möchte, kann diese auf ihrer Website besuchen.

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