Rund um die Welt
»Das Universum der Familie Ahuja« von Karan Mahajan
Unsere heutige Reise mit »Rund um die Welt« entführt uns in ein Land, in dem von seiner Literatur nur im Plural die Rede sein kann, da es eine Vielzahl an gesprochener und geschriebener Sprachen gibt. Das Reiseziel ist Indien, dessen Literaturen zu den ältesten literarischen Traditionen der Welt zählen. Der junge indische Autor Karan Mahajan hat mit »Das Universum der Familie Ahuja« einen witzig-turbulenten Roman über eine chaotische Großfamilie in Neu Dehli erschaffen.
»Papa, ich versteh’s nicht: Warum wollt ihr immer noch Kinder, du und Mama?« – mit dieser Frage sieht sich eines Morgens Rakesh Ahuja, Minister für Stadtentwicklung in Delhi, konfrontiert. Sein sechzehnjähriger Sohn Arjun fragt nicht ganz zu Unrecht, immerhin hat er bereits dreizehn (jüngere) Geschwister, und das vierzehnte ist unterwegs. Doch Arjun ahnt nicht, welche Turbulenzen er im Hause Ahuja mit seinem kühnen Vorstoß auslöst: unliebsame Erinnerungen drängen an die Oberfläche, fatale Entscheidungen werden getroffen, andere ebenso schnell wieder verworfen, das ganze großfamiliäre Gefüge im Hause Ahuja gerät ins Trudeln.
Wie soll Rakesh seinem Sohn erklären, dass er seine Frau Sangita nur anziehend findet, wenn sie schwanger ist? Wie kam es überhaupt zur Heirat mit wenig ansehnlichen Frau, die er nicht liebt? Und muss er seinem Sohn gestehen, dass Sangita gar nicht Arjuns Mutter ist? Zugleich plagen ihn politische Sorgen: Entgegen seines unermüdlichen Einsatzes versinkt der Millionenmoloch Delhi jeden Tag aufs Neue im Verkehrschaos, die Superpremierministerin schaltet und waltet nach Belieben, der TV-Tod eines mittelmäßigen Schauspielers stürzt nicht nur Sangita, sondern gleich die ganze indische Regierung in die Krise; der Rest ist Korruption und parlamentarischer Wahnwitz und die Frage nach der richtigen Lassi-Sorte.
Arjuns Leben gestaltet sich auch nicht einfacher: Wie verheimlicht man den Freunden, dass die eigenen Eltern Indiens Bevölkerungszahl offensichtlich im Alleingang über die 1,2-Milliarden-Grenze hieven wollen und jeder Familienausflug der Ahujas zum Massenauflauf gerät? Müssen Eltern überhaupt Sex miteinander haben? Wie ist es um das eigene Liebesleben bestellt? Was tun, wenn man aus amourösem Kalkül verkündet, in einer Band zu spielen, die daraufhin erst gegründet werden muss? Ist Bryan Adams nur was für Warmduscher? Ist Coolness alles, auch wenn man über die eigene Vergangenheit Dinge erfährt, die man eigentlich nie wissen wollte? Bedeutet Familie mehr als ein überfülltes Irrenhaus voller Windeln, Geschrei und Hierarchiegerangel am bankettgroßen Esstisch?
Karan Majahan, in Indien aufgewachsen und mittlerweile in New York zu Hause, erzählt eine höchst unterhaltsame Familiengeschichte aus dem Blickwinkel von Vater und Sohn. Hier der Vater, der mit Chuzpe und Beharrlichkeit jeder familiären wie politischen Unbill trotzt und schließlich doch erkennen muss, dass manche Geheimnisse aus der Vergangenheit eines Tages ans Licht müssen; dort der Sohn, der im ganzen pubertären Gefühlstohuwabohu die holprige Reise zum Erwachsenwerden antritt, mittendrin die ständig schwangere Sangita sowie dreizehn Geschwister aller Altersstufen im liebenswert-chaotischen Trubel des Ahuja-Universums. Neben dem doch irgendwie ganz alltäglichen Familienwahnsinn liefert Mahajan einen liebevoll-bissigen Blick auf das quirlige Delhi zwischen Tradition und Moderne, zwischen religiösen Spannungen und Bollywood-Soap, zwischen Rikscha und Daten-Highway.
Aktuelle Literatursituation in Indien:
- rasante Entwicklung des zeitgenössischen Buchmarkts
- 1986 und 2006 Indien als Gastland auf der Frankfurter BuchmesseÂ
- wenige Übersetzungen in westliche Sprachen
- laut National Book Trust India gibt es 16.000 Verlage mit über 80.000 Neuerscheinungen pro Jahr, die 1,6 Milliarden Euro einspielen (mehr als die Hälfte im Lehr- und Bildungsbereich)
- 2008 eröffnete ein German Book Office, z.B. zur Literaturvermittlung
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Indische_Literatur
Bisher im Special Rund um die Welt erschienen:
- »Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand« von Jonas Jonasson
- »In 80 Tagen um die Welt« von Jules Verne
- »Bummel durch Europa« von Mark Twain

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