TOP 100 BOOKS OF ALL TIME
Marcel Proust – »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«
Einige von euch werden sicher schon einmal etwas von der berühmten Madeleine-Erinnerungssequenz aus einem bekannten Werk der Weltliteratur gehört haben:
Es ist ein kalter Tag, an dem Marcel, der Ich-Erzähler des Romans, ein Stück vom typisch französischen Gebäck isst, das er zuvor in heißen Lindenblütentee getaucht hat. Das Aroma versetzt ihn in seine bei der Tante Léonie in Combray verbrachte Jugendzeit zurück.
Habt ihr erraten, woraus diese Szene stammt?
Genau, die Madeleine-Episode entstammt Marcel Prousts Romanzyklus »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«, das siebenbändige Meisterwerk des französischen Schriftstellers, das ebenfalls zu den »TOP 100 BOOKS OF ALL TIME« gehört.
Beschrieben wird der Adel und das Bürgertum in Frankreich am Ende des 19. Jahrhunderts: Der Ich-Erzähler Marcel (der Name wird an einer einzigen Stelle genannt) wird in eine wohlhabende Familie hineingeboren und wächst behütet in Paris und auf dem Land auf.
Er lernt den Kunstsammler Monsieur Swann kennen, der ihn mit der Welt der Kunst vertraut macht, und verliebt sich in die junge Albertine. Doch wegen seiner Eifersucht wird nichts aus der Beziehung zu ihr.
Marcel steigt in der Welt des Adels auf und besucht die Salons. Ein Theaterbesuch veranlasst ihn zu glauben, dass nur der Beruf des Schriftstellers für ihn relevant ist. Doch seine Faulheit und eine immer wieder auftauchende Krankheit hindern den Erzähler daran, seinen Traum von der Schriftstellerei zu verwirklichen. Seine Stärke liegt mehr in den Gefühlen als in dem Vermögen, diese Emotionen künstlerisch auszudrücken.Â
Marcel erkennt erst am Ende seines Lebens, dass er wegen seiner Liebesaffären und den Kontakten zu belanglosen Menschen nie die Zeit und die Mühe aufbrachte, das Kunstwerk zu schaffen, dass er angestrebt hatte. Ihm wird klar, dass er den Roman seiner Erinnerungen schreiben muss, die mit seinem Tod sonst endgültig verloren wären. Und so endet der Roman, indem der Autor beginnt, ihn zu schreiben.
Valentin Louis Georges Eugène Marcel Proust wurde am 10. Juli 1871 geboren und war Sohn eines angesehenen Arztes und einer reichen jüdischen Erbin. Nach dem Tod seiner Mutter, der eine tiefe Depression bei Proust auslöste, zog er, ein geschätzter Dandy, sich aus der Öffentlichkeit zurück. 1908/09 begann er mit der Arbeit an »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«, welches er erst kurz vor seinem Tod beendete. Das Werk entstand hauptsächlich im Bett, das der asthmakranke, ständig frierende, von tausend Ängsten geplagte Autor nur ungern verließ. Die sieben Bände erschienen zwischen 1913 und 1927.
Am 18. November 1922 im Alter von 51 Jahren verstarb Proust in Paris. In diesem Jahr jährte sich sein Geburtstag das 140. Mal.
Proust gilt mit seinen Kurzgeschichten, Romanen und Briefen als ein bedeutender Vertreter der klassischen Moderne. Zu den Autoren, die er inspirierte, gehören unter anderen Robert Musil, James Joyce, Samuel Becket, Walter Benjamin und Gilles Deleuze.
2010 erschien im Hörverlag das Hörbuch »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« mit der vollständigen Lesung aller 7 Bände auf 17 MP3-CDs, welches als Hörbuch des Jahres 2010 der hr2-Hörbuchbestenliste ausgezeichnet wurde.
Weitere Titel:

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