TOP 100 BOOKS OF ALL TIME
Thomas Mann – »Der Zauberberg«
Heute beschäftigen wir uns in unserem Freitagsspecial mit einem weiteren hochinteressanten Werk aus den „TOP 100 BOOKS OF ALL TIME“. Nicht nur im Vergleich mit Mark Twain und Leo Tolstoi, deren Titel Gegenstand der letzten beiden Specials waren, schlägt dieser Klassiker in eine ganz neue Kerbe. Denn Thomas Manns weltbekanntes Buch „Der Zauberberg“ scheint ein typischer Bildungsroman seiner Zeit zu sein – dies jedoch unter gar keinen Umständen sein zu wollen.
„Der Zauberberg“ erschien 1924 und kann somit als Thomas Manns dritter Roman angesehen werden. Er handelt vom siebenjährigen Aufenthalt eines jungen Mannes namens Hans Castorp in einem Sanatorium im Hochgebirge – ein Plot, der Thomas Mann quasi im Vorbeigehen in den Kopf kam, als er nämlich 1912 höchst selbst mit seiner Frau Katia das Waldsanatorium in der Nähe von Davos besucht hatte und durch Briefe und andere Aufzeichnungen haarklein dokumentiert hatte, welche Eindrücke er dort gewann und welche Erfahrungen er machen konnte.
In „Der Zauberberg“ gelingt Mann eine weltentrückende Entdeckungsreise, ein für seine Zeit hochmoderner Bildungsroman über Themen wie den Tod, Liebe und Krankheit.
Im Laufe der Geschichte lernt Manns Protagonist immer mehr hoch interessante Persönlichkeiten während seines Aufenthaltes im Sanatorium, der ursprünglich nur wenige Tage dauern sollte, sich im Endeffekt aber auf sieben Jahre erstrecken sollte, kennen. Angefangen mit seinem ersten Mentor, dem italienischen Literaten Lodovico Settembrini, der allmählich ein Freund Castorps wird und sich selbst als Vorkämpfer der „Interessen des Lebens (…) gegen sentimentale Weltflucht“ und jedwede Romantik sieht. Nicht nur einmal rät Settembrini dem Protagonisten daher, den Reizen des Sanatoriums zu entsagen und abzureisen.
Außerdem lernt der junge Castorp im Verlauf des Romans immer wieder neue Charaktere kennen, so zum Beispiel auch seinen neuen Mentoren Naphta oder die 28-jährige Russin Madame Chauchat, für die er trotz einer bestehenden Ehe schon sehr bald zu schwärmen beginnt und eine heiße Affäre entbrennen lässt.
Die Kernaussage, die sich allerdings nach und nach ergibt, ist die, dass die Berghofbewohner allesamt mit der Zeit sozial verwahrlosen, sich in Tristesse, Langeweile und Belanglosigkeiten verlieren. Schließlich mündet die Geschichte in der Abreise Castorps, der nach Ausbruch des ersten Weltkriegs als Soldat in die Schlacht zieht und dessen Tod im Gefecht von Thomas Mann zumindest angedeutet wird.
Um also eine Interpretation des Romans in kurze Worte zu fassen, kann man sagen, dass „Der Zauberberg“ teilweise als eine Parodie auf den klassischen deutschen Bildungsroman verstanden werden kann, da er klassische Genreelemente wie den Protagonisten Hans Castorp, der sein Vaterhaus verlässt, auf Reisen geht und durch seine Mentoren Settembrini und Naphta eine Reihe verschiedener Ideologien kennen lernt, mit für einen Bildungsroman untypischen Aspekten vermischt. So führt die „Erziehung“ auf dem Zauberberg hier nicht dazu, Hans Castorp in ein tüchtiges und selbstbewusstes Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft zu verwandeln, sondern entlässt ihn vielmehr in eine tiefgreifende persönlichkeitszersetzende Leere und in die zermürbende Gewalt des ersten Weltkriegs.
Bereits 1913 begann Thomas Mann mit der Niederschrift und unterbrach hierfür sogar die Arbeit am Felix Krull. 1915 zwang ihn der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu einer Pause. Danach entwickelte sich aus der Geschichte, die Mann ursprünglich als Kurzgeschichte geplant hatte, ein zweibändiges Werk, das schließlich 1924 im S. Fischer Verlag veröffentlicht wurde.
Auch heute noch erfreut sich „Der Zauberberg“ größter Beliebtheit in der Welt der Kunst, Musik und Literatur. Neben zwei Opern und einer weiteren musikalischen Adaption des Themas, sowie mehreren Verfilmungen gibt es mittlerweile ebenfalls ein Hörbuch der Geschichte, das wir euch an dieser Stelle nicht vorenthalten und des Weiteren auch sehr ans Herz legen möchten.
In diesem Sinne ein schönes Wochenende wünscht das gesamte Transatlantik-Team.
Quelle: www.wikipedia.de
Urheber Bild: Flyout
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