Verlagsspecial
Deutsche Verlags-Anstalt
Nachdem wir uns zuletzt ausführlich mit dem Luchterhand Literaturverlag beschäftigt haben, gebührt das heutige Hauptinteresse des transatlantik – Verlagsspecials einem Verlag, für den die Bezeichnung „klein – aber oho“ wie die Faust aufs Auge passt. Bereits viermal dienten die Titel der Deutschen Verlagsanstalt (DVA) als Vorlage für unseren regelmäßigen Podcast. Die Geschichte des Edgar Sawtelle von David Wroblewski bildete den Anfang, Rolf Bauerdicks Frage, wie Madonna eigentlich auf den Mond kam folgte einige Monate später. „Fischvogel“ von Beate Rothmaier wurde schon sechs Wochen darauf Thema eines Podcasts und zuletzt hatten wir uns ausgiebig mit Sergio Bizzios „Stille Wut“ beschäftigt.
Diese vier Titel stehen nur beispielhaft für eine Auswahl hochklassiger Literatur von ausgezeichneten Autoren, die inzwischen seit Jahren bei der DVA heimisch sind.
Seinen Ursprung hat die DVA am 01.Juni 1831. Louis Hallberger eröffnete an diesem Tag die Hallberger’sche Verlagshandlung in Stuttgart. Nach einer Fusion mit dem Verlag seines Sohnes 1873 nannte man sich „Verlag Eduard Hallberger“. Keine zehn Jahre darauf, am 01.Juli 1881 wurde der Verlag auf seinen heutigen Namen getauft – Deutsche Verlags-Anstalt. In dieser Zeit war das große Zugpferd der DVA die zweiterfolgreichste deutsche Zeitschrift „Über Land und Meer“. Auch nach der Namensänderung blieb die Gründerfamilie eng mit dem Verlag verbunden. Sie bewohnte bis 1915 ein Schloss am Starnberger See, ehe sie nach Stuttgart umzog.
Von der FAZ zu Random House
1920 erwarb der Industrielle Robert Bosch die Mehrheit an der DVA, 1980 gaben seine Nachkommen allerdings ihre Anteile ab und es konnte eine Stiftungslösung gefunden werden: Gesellschafter waren demnach ab sofort der Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und die von der Robert Bosch GmbH errichtete gemeinnützige DVA-Stiftung. 1997 übernahm die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH dann 100% des Gesellschaftskapitals.
Im neuen Jahrtausend erfolgte dann die Trennung des Fach- und Special Interest Zeitschriftenverlags und des Buchsegments. Ersterer wurde 2003 an den Konradin Verlag verkauft, während der Buchverlag ab 2005 der Verlagsgruppe Random House gehörte.
Verkaufsstarke Sachbücher und literarische Schätze
2010 stand die DVA in einem Medienfokus wie nie zuvor in ihrer langen Geschichte. Die Veröffentlichung von Thilo Sarrazins heiß diskutiertem Sachbuch „Deutschland schafft sich ab“ beschäftigte die Leute für Monate. Mit über einer Million verkauften Exemplaren war es ausgerechnet ein Sachbuch, das für Furore auf dem Buchmarkt sorgte (was viele aber nicht wissen: schon 1999 erreichte die Autobiographie von Marcel Reich-Ranicki „Mein Leben“ eine Auflagenhöhe von 1,2 Millionen). Doch nicht nur das Sachbuchsegment der DVA mit ihren zahlreichen historischen und politischen Autoren wie Ian Kershaw, Richard J. Evans oder Papst Benedikt XVI. kann sich sehen lassen.
"Jung und erfolgreich" - Die Aushängeschilder der DVA
Der Name der DVA steht schon lange für immens wertvolle, literarische Schätze, die aus dem Verlag einen wichtigen Eckpfeiler für deutsche Literatur
gemacht haben. In diesem Zusammenhang sind vor allem Ulla Hahn und Michael Kleeberg zu nennen, die mit ihren Werken das literarische Ansehen der DVA nachhaltig gesteigert haben. Klassiker wie die Werke von Richard Yates finden dabei ebenso Einzug in das Verlagsprogramm wie Literatur, die der Feder junger, ambitionierter deutscher Autoren entsprungen ist. In der Tat ist die DVA vor allem auch dafür bekannt, junge Autoren nachhaltig aufzubauen: Der Roman „Die Haushälterin“ des gelernten Arztes Jens Petersen wurde mehrfach prämiert, der Autor erhielt zudem den begehrten „Ingeborg-Bachmann-Preis“. Auch Patrick Findeis verdankt seinen literarischen Aufstieg und seine Auszeichnungen (unter anderem Preisträger des 3sat-Preises 2008). Ergänzt wird das Programm dann mit etablierten internationalen Autoren von Weltrang. Die DVA-Autoren Radka Denemarková, Hanne Örstavik und Michail Schischkin erhielten sogar schon den jeweils wichtigsten Literaturpreis ihres Landes, Thomas Rosenboom sogar zweimal. Anne Enright erhielt für ihren Roman „Das Familientreffen“ (2007) mit dem Booker-Prize den wichtigsten Literaturpreis für englischsprachige Schriftsteller.
Und dabei ist das nur die Spitze des Eisberges – die Entwicklung der DVA noch lange nicht abgeschlossen. Die Vielseitigkeit des Verlages erweitert sich stetig, jüngst erschloss man mit der „Reihe zur Kinder-Uni“ auch das Segment der Jugendsachbücher.
Wir hoffen, Euch die DVA durch dieses kleine Portrait näher gebracht zu haben. Überzeugt Euch am Besten selbst von der unglaublichen literarischen Vielfalt und besucht die Homepage des Verlags, auf der ihr auch ausführliche Vorschauprogramme findet.Â
Teil 3 unseres Specials behandelt den Albrecht Knaus Verlag.
Quellen: wikipedia.de, DVA bei Random House

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