Literaturnews
Literaturstipendien der Landeshauptstadt München 2011

Aufgepasst: Das Kulturreferat der Landeshauptstadt München vergibt 2011 wieder sechs Stipendien für Literatur, dotiert mit jeweils 6.000 Euro.
Mit den Literaturstipendien sollen vielversprechende literarische Projekte vorwiegend jüngerer, noch nicht etablierter Autoren gefördert werden.
Alle zwei Jahre haben junge literarische Projekte die Chance von der Stadt München eine finanzielle Unterstützung zu bekommen. Insgesamt sind es sechs Literaturstipendien zu je 6.000 Euro aller Sparten (Prosa, Lyrik, Drama, Hörspiel, Kinder- und Jugendbuch, experimentelle Formen), sowie an Übersetzerinnen und Übersetzer für besonders anspruchsvolle Übertragungen ins Deutsche.
Mit den Literaturstipendien sollen vielversprechende Projekte vorwiegend jüngerer Münchner Autoren/innen gefördert werden- es besteht jedoch keine Altersbeschränkung.
Bedingungen für die Bewerbung sind, dass die Autorinnen und Autoren in München leben (S-Bahn-Bereich), und der eingereichte Text bis zum Ende des Ausschreibungsjahres noch unveröffentlicht ist. Es können nur deutschsprachige Texte eingereicht werden. Außerdem sind von der Bewerbung Autoren ausgeschlossen, die im Rahmen der letzten drei Ausschreibungen ein Literaturstipendium der Stadt München erhalten hat.
Jede Bewerberin / jeder Bewerber kann nur ein Projekt einreichen.
Einsendeschluss ist der 24. März 2011.
Zudem wird dieses Jahr wieder der Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für eine⁄n Nachwuchsautor⁄in unter 35 Jahren vergeben. (ca. 3.000 Euro). Die Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreise für Musik, Bildende Kunst und Literatur werden jeweils zusammen mit den städtischen Stipendien in den genannten Bereichen vergeben. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden durch die Jurys zur Ermittlung der Stipendienvergabe ausgewählt und dem Stadtrat vorgeschlagen, der die endgültige Entscheidung über die Preisvergabe trifft.
Hier ein paar Jurybegründungen für die letzen Preisträger:
Andrea Heuser, Augustas Garten (Gewinnerin eines Literaturstipendiums 2009)
Der geplante Roman erzählt die Geschichte einer Trennung und eines Neuanfangs aus der wechselnden Perspektive von Mutter und sechsjähriger Tochter; die Geschichte spielt im Sommer 1981. Nicht nur die dargestellten Milieus und die Zeitstimmung, auch der Zustand von Familie und Beziehungen werden in den eingereichten Textproben sehr fein und klug gefasst und erkennbar.
Andrea Heuser verfügt über eine große sprachliche Variationsbreite, die von der realistisch gezeichneten Szene mit Dialogen und erlebter Rede bis zur poetischen Innenschau und der sensibel gezeichneten Weltwahrnehmung eines kleines Mädchens reicht. Bilderreich und atmosphärisch, durchaus auch komisch und gleichzeitig zupackend: Man vertraut der Autorin und ihrer Fähigkeit, diesen Roman tatsächlich zu Ende zu bringen. Andrea Heuser wird ihren Weg machen
Tilman Strasser, Hasenmeister (Gewinner eines Literaturstipendiums 2009)
Der Roman von Tilman Strasser gehört zweifellos zu den interessantesten der vorgelegten Projekte. Darin begegnen wir dem Violinstudenten Felix Hasenmeister, der aus zunächst mysteriösen Gründen in der Übezelle eines Konservatoriums eingeschlossen ist. In Erinnerungssequenzen wird das Leben des verantwortungsscheuen, hasenherzigen Antihelden beleuchtet, dessen Verhältnis zu einem übermächtigen Vater im weiteren Romanverlauf ins Zentrum rücken soll.
Die Ausnahmesituation, in die Strasser seinen Protagonisten stellt, zielt nicht - wie häufig bei jungen Autoren - bloß darauf ab, durch Originalität zu bestechen. So lässt sich das Bild der Übezelle natürlich auch als Metapher für die verlängerte Adoleszenz, das Verharren in einem Zustand des ewigen Übens lesen. Immer wieder weisen Strassers szenische Miniaturen über die konkrete Narrationsebene hinaus, sie sind reich an poetischen Verdichtungen, die jedoch nie überambitioniert wirken. Mit erstaunlicher sprachlicher Souveränität gelingt es dem 24-Jährigen, realistische Situationsschilderungen von oft großer Komik und surreale Verfremdungen leichthändig zu verweben. Sein Romanauszug überzeugt ebenso durch sein hohes Reflexionsniveau wie durch seine stilistische Lakonie und erzählerische Präzision.
Janine Adomeit, Unvorhersehbarkeiten ( Gewinnerin des Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreises für Literatur 2009)
Es geht um Söhne und Töchter, um Mütter und Väter, um Freunde und bloße Objekte des Begehrens“, schreibt Janine Adomeit in ihrem Exposé, doch um all das geht es nicht etwa, wie es naheliegend für das Debüt einer jungen Autorin wäre, als „Coming of age“-Geschichte, sondern in Form einer Lebensschau eines erwachsenen Mannes. Der hat einst den Verlust einer großen Liebe durch die kleine Liebe zu seiner Ehefrau Maria und durch Familiengründung zu kompensieren versucht. Die Ehe ist gescheitert, von seiner mittlerweile erwachsenen Tochter hat er sich entfremdet, seine mittelmäßige Karriere als Schriftsteller stagniert, und der auf vielen Gebieten Erfolglose macht sich an die Niederschrift seines Lebens.
Besonders versiert erweist sich Adomeit im Beobachten von Details, im Schildern oder nur Skizzieren von Kleinstereignissen: die Kuchen-Ess-Rituale eines Paares etwa oder die den Helden verstörende Unterwäsche, die im Gemeinschaftsraum von Marias Frauen-WG aufgehängt ist.
Die berührendste Stelle des Textes ist ein Rückblick des Schriftstellers auf seine Kindheit: Vaters Liebling, der Hund Rufus, stirbt, zum ersten Mal sieht der Sohn seinen Vater weinen. Doch dessen Trauer läßt keinen Platz für den Sohn, der ihm beistehen will und doch nur hilflos neben ihm sitzt. Knapper und zugleich treffender läßt sich eine komplizierte Vater-Sohn-Beziehung kaum auf den Punkt bringen.
Quellen: muenchen.de, boersenblatt.net

