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Verlagsspecial

 

Luchterhand Literaturverlag

10. Februar 2011 | Geschrieben von T-Team

Sieben unserer bislang 25 Podcasts handeln von Büchern, die im Luchterhand Literatur Verlag erschienen sind. Eines davon, „Hello Kitty muss Sterben“, war sogar Gegenstand einer bei transatlantik davor nie dagewesenen Welle an Specials und steht dank seiner Einzigartigkeit und besonderen Art ganz hoch im Kurs auf den Bestsellerlisten literarischer Romane. Der letzte Luchterhand-Podcast behandelte „Ins Freie“ von Joshua Ferris. Auch dieser Titel erfreut sich sehr positiver Resonanz auf dem Buchmarkt.
Doch wer ist eigentlich dieser Luchterhand Verlag, der hinter all dem steht? Wo kommt er her? Wie hat er es geschafft, sich als einer der erfolgreichsten Literaturverlage Deutschlands zu etablieren? Ist es Zufall, dass mit Abstand die meisten Podcasttitel auf transatlantik.de das markante Luchterhand Logo, ein geschwungenes „L“ und einen Punkt, auf dem Cover tragen?
Ein kleiner Einblick in einen Verlag, der auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken kann …

Man muss bis ins Jahre 1924 zurückblicken, um die Wurzeln von Luchterhand ergründen zu können. In diesem Jahr gründete der gelernte Steuerberater Hermann Luchterhand in Berlin einen Verlag für Recht & Steuern. Aus diversen Gründen, u.a. seiner schlechten Gesundheit und den politischen Unruhen infolge der nationalsozialistischen Machtergreifung zog sich der Gründervater des Verlags 1936 ins Privatleben zurück und erteilte Eduard Reifferscheid, bis dato Teilhaber und Verlagsleiter, die Generalvollmacht.

"Die Brechtrommel" - ein Symbol des Aufstiegs

Ebendieser baute Luchterhand nach dem 2. Weltkrieg auch wieder neu auf. Der Hauptsitz des Verlags wechselte 1946 zum ersten Mal – Luchterhand zog in die französische Besatzungszone nach Neuwied. Reifferscheid brachte ebenfalls eine Wende in die Geschichte des Verlags, die sich bis heute auswirken sollte: Er integrierte 1954 erste literarische Werke in das Verlagsprogramm (u.a. Charles Baudelaires: „Die Blumen des Bösen“ und Charles Jackson: „Gezählt – gewogen“).
Wichtige Eckdaten waren von da an 1957 und 1959. In diesen Jahren veröffentlichte Günter Grass „Die Vorzüge der Windhühner“ sowie „Die Blechtrommel“ bei Luchterhand. Quasi über Nacht verhalf er Luchterhand zu internationalem Renommé und trat eine Welle los, die Luchterhand bis in die frühen Siebziger stetig an Ansehen wachsen ließ. Gerade deutsche Gegenwartsliteratur wie von Ernst Jandl und Hermann Lenz festigte sein Standing.
1970 – das nächste geschichtsträchtige Jahr. „Sammlung Luchterhand“ wird ins Leben gerufen. Hier erschienen Originalausgaben und Nachdrucke aus Literatur, Medientheorie, Politik & Sozialwissenschaften.
Die zunehmende Fokussierung auf das Literarische hatte die logische Spaltung 1972 zur Folge. Unter Otto F. Walter zog der literarische Teil nach Darmstadt. Spätestens jetzt zog Luchterhand durch Autoren wie Christa Wolf, Jean Ziegler und Alexander Solschenyzin mit dem bedeutsamsten deutschen Literaturverlag Suhrkamp gleich.

"Oft verhielten sich Verlagsleitung und Verlagsmitarbeiter [...] als gäbe es keine Autoren"

Doch man mag es kaum glauben, aber genau zu diesem Zeitpunkt begann das gute Image des Verlags von innen heraus zu bröckeln.
Günter Grass schrieb anlässlich des fünfzigjährigen Verlagsjubiläums nicht ohne Grund:

„Ab Ende der sechziger Jahre erlaubte sich der Luchterhand Verlag eine Reihe von verlagsinternen Krisen, an denen die Autoren, auch wenn sie den Schaden zu tragen hatten, unbeteiligt waren. Oft verhielten sich Verlagsleitung und Verlagsmitarbeiter zueinander, als seien nur sie der Verlag, als gäbe es keine Autoren […] Es ist den Autoren nicht länger zuzumuten, dass die Zufälligkeit der Erbnachfolge bei Verlagen in Privatbesitz ihre literarische Arbeit gefährdet.“
1976 wurde infolgedessen ein Autorenstatut verfasst, das den Autoren mehr Mitsprache im Verlag zuräumte. Dem zum Trotz verkaufte man den Verlag jedoch 1987 an die niederländische Verlagsgruppe Kluwer. Es folgten massive Proteste der Autoren, viele – wie Günter Grass oder Christa Wolf – kehrten Luchterhand den Rücken. Der Firmensitz wurde erst nach Frankfurt, dann nach Hamburg verlegt.
Insgesamt litt das Ansehen Luchterhands enorm in dieser kurzen, ereignisreichen Zeit. 1994 zog der Verlag dann wieder um – nach München. Mit viel Fleiß und harter Arbeit gelang es allmählich, das alte Ansehen zurückzugewinnen – teils durch neue, frische Autorengesichter aber auch durch Wiederaufnahme alter Bekannten wie Christa Wolf. 1997 schon „Verlag des Jahres“, wurde auch die einst so hochgelobte „Sammlung Luchterhand“, die man 1993 an dtv verkauft hatte, neu eingeführt.
2001 dann folgte der letzte Umzug: Luchterhand wurde von der Verlagsgruppe Random House übernommen und zog in den Hauptfirmensitz in der Neumarkter Straße.

Random House - neue Heimat und alte Stärke

Der Luchterhand Literaturverlag kehrte also zu alter Stärke zurück. Heute erscheinen jährlich ca. 20 Hardcover-Novitäten (zusätzlich etwa 20 Titel in der Sammlung Luchterhand).
Zu den Aushängeschildern gehören inzwischen Namen wie Michael Cunningham, Ulrike Draesner, Anna Mitgutsch, Pablo Neruda oder Saša Stanišic, dessen Roman „Wie der Soldat das Grammofon reparierte“ ebenfalls als Podcast bei transatlantik erschienen ist.
Gerade die wieder eingeführte Taschenbuchreihe „Sammlung Luchterhand“ machte den Verlag schon immer zu einem idealen Anlaufpunkt bei der Suche nach geeigneten Büchern für den transatlantik- Podcast. Sie wurde zuletzt 2005 unter der neuen Programmleitung von Georg Reuchlein und Regina Kammerer neu ausgerichtet. Inzwischen erscheinen hier vorwiegend Originalausgaben und deutsche Erstausgaben ausgewählter literarischer Erzählungen.

Wir hoffen, Euch den Luchterhand Literaturverlag ein bisschen näher gebracht zu haben. Demnächst geht es weiter mit einem Portrait über die DVA, die ebenfalls maßgeblichen Anteil an den hier veröffentlichten Podcast Titeln hat.

Quellen: wikipedia.de, randomhouse.de

 
 

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