Alleine des skurillen, im Gedächtnis-Bleibenden Titels wegen kann man dieses Buch nicht allzu schnell vergessen. Es ist fragwürdig, ob es jemals wirklich in Vergessenheit geraten kann. Vielleicht denkt man nicht mehr daran, verliert es irgendwann aus den Augen, die kleine Ecke im Regal, die dieses 400 Seiten umfassende Buch beherbergt wird vernachlässigt und wenig angesehen - aber dann plötzlich, beim Einsortieren eines neu erworbenen Buches, da wirft man einen Blick auf den Buchrücken und es ist auf einmal wieder da - das „Bierdosenbaum“-Buch. Und dann fällt einem alles wieder ein. Das wunderliche Leben des Edgar Mint (so der englische Originaltitel: The Miracle Life of Edgar Mint).
Ein richtiger amerikanischer Schelmenroman ist diese Geschichte des kleinen Edgar Mint. Edgar, der sich so fabelhaft wie anrührend durch seine Kindheit schlägt, verlassen von Gott und der Welt, aber mit einem großen Ziel, das er nicht aus den Augen verliert.
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„Der Postbote
Dürfte ich Ihnen nur eine einzige Begebenheit aus meinem Leben berichten, wählte ich diese: Ich war sieben Jahre alt, als der Postbote meinen Kopf überfuhr. Kein Erlebnis hat mich mehr geprägt als dieses. Mein chaotisches, zielloses Leben, mein versehrtes Gehirn und mein Glaube an Gott, meine Zusammenstöße mit Freude und Leid - alles entspringt auf die eine oder andere Art jenem Augenblick an einem Sommermorgen, als der linke Hinterreifen eines US-Mail-Jeeps meinen kleinen Kopf in den heißen Kies des Apachen-Reservates von San Carlos malmte.“
Mit sieben wird Edgar Mint von einem Postboten überfahren, doch damit nicht genug: Als er endlich aus dem Krankenhaus entlassen wird, steht er ganz allein da und muss sich durch Schule und Leben kämpfen. Aber Edgar ist zäh, und er weiß der Welt die eigene Wirklichkeit entgegenzusetzen.
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„Ich nehme es meiner Mutter nicht krumm, dass sie an jenem Tag nicht vor die Tür trat. Als sie den Schrei des Postboten hörte, wusste sie, genau wie Grandma Paul, dass etwas Furchtbares passiert war, wollte aber nichts damit zu tun haben.“
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Auf seiner Schreibmaschine, einer Hermes Jubilee, füllt er Blatt um Blatt mit seinen Wünschen, seinen Gedanken - und Briefen an den Postboten, dem er unbedingt mitteilen will, dass es ihm gut geht. Edgar macht seinen Weg, eines Tages, da ist er sicher, wird er ankommen, wo immer das sein wird. Edgar Mint ist ein moderner amerikanischer Simplicius Simplicissimus – und einfach unvergesslich.
Wie das Buch seinen deutschen Titel bekommen hat und ob er berechtigt ist, kann man ganz einfach selbst herausfinden – einfach das Buch entstauben, sich genüsslich zurücklehnen und lesen.