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Beruf Literaturscout - Aus dem Nähkästchen geplaudert
Bettina Schrewe, eine der wichtigsten Literaturscouts, sagte einst in einem Interview: »Scouting ist ein 24-Stunden-Job, sieben Tage die Woche. Aber kein Tag ist wie der andere.«Scouting - einer der wichtigsten Berufe in der heutigen Buchbrache, aber auch einer der unbekanntesten. Einen direkten Ausbildungsweg hierfür gibt es nicht und auch das Stellenangebot ist ziemlich rah. Wir wollten für euch also herausfinden, was genau Scouting ist, wie so ein Tag eines Literaturscouts aussieht und wie man überhaupt Literaturscout werden kann. Welche Eigenschaften sind wichtig? Bleibt auch noch Zeit für sich selbst? All das und noch viel mehr haben wir bereits im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse Eva B., eine Mitarbeiterin von Bettina Schrewe, gefragt und ihr die ein oder andere Frage zu ihrem Beruf gestellt.
Was ist ein Literaturscout?
Buch-Scouts sind quasi wie Spione für Verlage in Europa oder auf der ganzen Welt im amerikanischen Markt. Wir schauen also, was dort so läuft, was es an neuen interessanten Werken gibt. Wir versuchen so früh wie möglich davon etwas mitzubekommen, um unseren Klienten in Deutschland dann zu sagen: „Hört mal, da ist ein ganz heißes neues Buch von dem und dem Autor. Das müsst ihr euch sofort anschauen.“ Dies ist eigentlich das ganze Geheimnis.
Wodurch bekommt man diese Informationen?
Man hält einfach ganz engen Kontakt mit Agenten und Lektoren, und fragt: „Hey, was lest ihr denn gerade? Was habt ihr von Agenten angeboten bekommen? An welchem spannenden Projekt arbeitet ihr zurzeit?“ Diese erzählen dann hoffentlich davon. Wenn man Glück hat, bekommt man das Manuskript zugeschickt und kann es schon einmal lesen, bevor es einen Verlag gefunden hat.
Das ist total schön, denn man liest die ganze Bandbreite von Non-Fiction, Sachbuch bis zu ganz literarischen oder kommerziellen Titeln. Im Idealfall weiß man über alles Bescheid. Doch in der Realität sieht es meist anders aus. Man hat dafür seine Kolleginnen – in meinem Fall sind wir zu viert.
Wie sieht es in Ihrer Literaturagentur aus? Haben Sie und Ihre Kolleginnen sich die verschiedenen Buchgenres untereinander aufgeteilt?
Kinder- und Jugendbuch laufen von den anderen Genres getrennt. Ansonsten läuft es in Amerika eher so, dass nach Verlagen und Agenturen aufgeteilt wird. Damit hat jeder seine Leute, mit denen er Kontakt hält.
Sind Sie dann eigentlich rund um die Uhr am Arbeiten und haben somit keine geregelten Arbeitszeiten?
Klar, man ist den ganzen Tag im Büro und mit E-Mails und Telefonaten beschäftigt. Man hat tagsüber Meetings und besucht abends und am Wochenende Treffen und Lesungen. Zwischendurch geht man natürlich auch einmal raus und trifft sich z.B. mit einem Lektor auf einen Kaffee. Es ist ein zeitintensiver Job, aber macht großen Spaß.
Wie kommt an solch einem Job?
Es ist ziemlich schwer, denn es gibt nicht so viele Jobs als Scout. Es sind wirklich nur wenige. Bei mir war es der totale Zufall. Ich wusste, ich wollte nach New York und dort arbeiten. Dann habe ich auf der Frankfurter Buchmesse jemanden von Random House Deutschland kennen gelernt und dieser sagte, er kenne in New York eine ehemalige Kollegin. Am nächsten Tag traf ich ihn wieder und er meinte, er habe diese Kollegin gesehen und sie habe gerade einen Job frei. Ich solle ihr doch meinen Lebenslauf schicken. Und das habe ich dann auch getan, bin zum Vorstellungsgespräch rübergeflogen und es hat geklappt.
Das war richtiges Glück, zumal ich nicht wusste, dass es so ist. Es macht richtig Spaß, gerade diese Schnittstelle zwischen den Sprachen und Rechten. Und trotzdem hat es noch viel mit Inhalt zutun. Man darf mit anderen Lektoren diskutieren: was interessiert sie, was gefällt ihnen, warum sollen sie dieses Manuskript jetzt sofort lesen.
Es gibt bei Scouts auch Geheimtipps, die Sie eigentlich noch nicht weitergeben dürfen. Wie entscheiden Sie dann, ob Sie es doch tun?
Das ist eine schwierige Frage. Man muss auf sein Bauchgefühl hören. Oder man sagt manchmal: „Okay, ich schicke dir das, aber sag’ niemandem, dass du es liest.“
Was hat dann der Lektor für einen Vorteil?
Der Lektor hat den Vorteil, dass er das Manuskript im Idealfall, sobald es offiziell rausgeschickt wird, schon gelesen hat und sagen kann: „Super! Ich mache gleich am ersten Tag ein Angebot.“ Oder man macht gleich ein Endangebot und nimmt damit das Manuskript „vom Tisch“.
Wie erlebt man die Frankfurter Buchmesse? Ist es stressig?
Es geht eigentlich. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und es gibt dieses Jahr auch nicht so große Überraschungen. So ist es vor allem nett, Klienten zu treffen.
Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal dabei, kenne daher viele Gesichter noch nicht, und es ist schön, sie endlich einmal zu sehen. Man hat natürlich seine Agenten, die man trifft und bei denen man nachfragt, was sich Neues bei ihnen ergeben hat. Vor allem stehen wir im Dienst unserer Klienten und wenn diese sagen, sie bräuchten nun ganz schnell dieses oder jenes Manuskript, dann schicken wir es ihnen direkt aufs Kindle oder gehen zum Agenten.
Vielen Dank für das Interview.
Ja, gern geschehen.

