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Angestaubt

 

Heike Geißler – Rosa

11. November 2010 | Geschrieben von T-Team

Über den Titel „Rosa“ und die Autorin wurde damals (2002) gesagt: „In einem eindringlichen, inneren Monolog erzählte Heike Geißler die Geschichte einer Flucht. Die tiefe Sympathie dieser Autorin für Ihre Protagonistin Rosa, die vor ihrem frühen Muttersein davonläuft, zeichnet diesen Roman aus. Geißler besitzt die Fähigkeit, ihrer Figur nicht nur eine Stimme zu verleihen, sondern die psychische Zerrissenheit und Getriebenheit genauestens fühlbar zu machen.“

„Rosa geht über die Brücke. Sie könnte, wenn sie den Kopf zur Seite wendete, links ihre Wohnung und rechts den Park sehen. Niemand ist jetzt in der Wohnung, aber in spätestens zwei Stunden kommen Tom, Moritz und Rosas Mutter vom Park zurück. Leise werden sie die Wohnung betreten, um Rosa nicht zu wecken. Vielleicht werden sie Kaffee trinken und Kuchen essen und sich eine Weile unterhalten.
Aber dann werden sie es bemerken.
Sie werden merken, dass Rosa gar nicht mehr da ist, weil Rosa in zwei Stunden schon fast in Berlin sein wird.“

»Rosa« ist die Geschichte einer Flucht vor dem eigenen Leben, einer Frau, die Mädchen bleiben und noch nicht erwachsen werden will. Sie hat gerade ein Kind geboren, ist ohne das Kind aus dem Krankenhaus weggelaufen und weiß nicht wohin. Ihre Flucht führt sie in mehrere Städte und schließlich nach New York. Der Gefühlsaufruhr - Zweifel an ihrem Tun, Selbsthass, Schuldgefühle, Trotz, Sehnsucht nach dem Kind, nach Geborgenheit - steigert sich allmählich, begleitet von äußeren Ereignissen, Begegnungen mit anderen Menschen, hilflosen Versuchen, sich neue, andere Leben zu schaffen, bis sich am Ende die Ereignisse überschlagen. Dieser erstaunliche und bereits preisgekrönte Debütroman eröffnet uns die Innenwelt eines Menschen in einer Lebenskrise. Er zeugt von der großen Sensibilität und den hohen sprachlichen Fähigkeiten seiner Autorin.

Es handelt sich bei Rosa um eine glaubhafte Protagonistin, eine, wie es sie heutzutage viele gibt – zu jung, zu unerfahren, zu früh Mutter geworden. Rosas Versuch sich ein eigenes Leben aufzubauen, eines, das nicht durch ein anderes, von ihr abhängiges Lebewesen beeinflusst wird muss natürlich alleine durch die Erinnerung an eben jenes zurückgelassene Kind geprägt sein.
Die Geschichte ist so realistisch, so gut geschrieben, so einfühlsam, dass der Titel von Heike Geißler dringend entstaubt werden musste. Zeitlos und ergreifend und sehr empfehlenswert.

 
 

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